DKG zu alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen: Prävention wirkt, Handlungsbedarf bleibt
Fallzahlen sinken deutlich – Krankenhäuser mahnen stärkere Präventionspolitik an
Die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen in Deutschland ist erneut gesunken. Wie das Statistische Bundesamt für das Jahr 2024 ausweist, wurden 283.500 Fälle registriert. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Höchststand im Jahr 2012 nahezu halbiert. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht darin vor allem die Folge eines veränderten Konsumverhaltens jüngerer Generationen, fordert jedoch zugleich eine deutlich stärkere politische Fokussierung auf Prävention.
Nach Einschätzung der DKG spiegelt der Rückgang insbesondere wider, dass Alkohol für viele junge Menschen kein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags mehr ist. Trends wie alkoholfreie Angebote und sogenannte Nullprozent-Formate wirkten sich inzwischen messbar auf die stationären Fallzahlen aus.
Der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß, bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv, verweist aber auf weiterhin bestehende strukturelle Probleme: „Dass die Zahl der alkoholbedingten Behandlungen weiter sinkt, ist ein gutes Zeichen. (…) Vor allem zeigt es uns aber, dass man mit Prävention ein Gesundheitssystem, das allein durch demografischen Wandel und medizinischen Fortschritt immer aufwendiger wird, gut von unnötigen und kostenintensiven Behandlungen befreien kann.“
Trotz rückläufiger Behandlungszahlen bleibt der Alkoholkonsum in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Die Europäische Union weist insgesamt den höchsten Alkoholkonsum weltweit auf, Deutschland liegt dabei nochmals über dem EU-Durchschnitt. Nach Auffassung der DKG ist Alkohol hierzulande zudem besonders günstig und leicht verfügbar, was die gesundheitlichen Folgeschäden begünstigt.
Dr. Gaß kritisiert insbesondere die niedrigen Preise und die hohe gesellschaftliche Akzeptanz: Alkohol sei in Deutschland leicht zugänglich und könne mit geringem finanziellem Aufwand in gesundheitsgefährdenden Mengen konsumiert werden. Andere europäische Länder zeigten, dass sowohl kulturelle Konsumzurückhaltung als auch staatliche Regulierungsmodelle – etwa über höhere Preise oder eingeschränkte Verfügbarkeit – zu niedrigeren Erkrankungszahlen führen können.
Vor diesem Hintergrund fordert die DKG eine stärkere politische Auseinandersetzung mit präventiven Maßnahmen. Statt vorrangig über Kürzungen und Leistungseinschränkungen im Gesundheitswesen zu diskutieren, müsse der Fokus stärker auf der Vermeidung vermeidbarer Erkrankungen liegen. Alkohol sei dabei nur ein Beispiel unter mehreren gesundheitsrelevanten Substanzen, zu denen auch Zucker und Tabak zählten.






