Ver.di kritisiert Privatisierung des Jüdischen Krankenhauses Berlin
Gewerkschaft warnt nach Übernahme durch Medicana vor Verlust öffentlicher Einflussmöglichkeiten und fordert Sicherung von Tarifbedingungen
Nach der Übernahme des insolventen Jüdischen Krankenhauses Berlin (JKB) durch die Medicana Health Group kritisiert die Gewerkschaft ver.di den Wechsel zu einem privaten Träger. Aus Sicht der Gewerkschaft verliert das Land Berlin damit Einfluss auf ein als versorgungsrelevant eingestuftes Krankenhaus. Gleichzeitig fordert ver.di vom neuen Eigentümer, Zusagen zur Beschäftigungssicherung, Tarifbindung und Arbeitsbedingungen verbindlich umzusetzen.
Die Entscheidung des Gläubigerausschusses, das Jüdische Krankenhaus Berlin an die Medicana Health Group zu übertragen, markiert nach Angaben von ver.di einen grundlegenden Wandel für die traditionsreiche Klinik. Das Krankenhaus hatte im Dezember 2025 Insolvenz angemeldet und wurde im Eigenverwaltungsverfahren saniert. Mit dem Eigentümerwechsel soll der Fortbestand des Standorts mit seinen mehr als 800 Beschäftigten gesichert werden.
Die Gewerkschaft bewertet die Privatisierung kritisch, da das Jüdische Krankenhaus Berlin bislang als Stiftung des bürgerlichen Rechts eine besondere Verbindung zur öffentlichen Gesundheitsversorgung hatte. Nach Ansicht von ver.di verliert insbesondere das Land Berlin durch den Wechsel an einen privaten Betreiber wesentliche Gestaltungsmöglichkeiten für die weitere Entwicklung des Krankenhauses.
Der stellvertretende ver.di-Landesleiter Benjamin Roscher macht die Berliner Gesundheitspolitik für die Entwicklung mitverantwortlich. Die jahrzehntelange unzureichende Finanzierung der Krankenhausinvestitionen habe zur wirtschaftlichen Schieflage beigetragen. Zudem sei es versäumt worden, das Jüdische Krankenhaus rechtzeitig in eine stabile Partnerschaft mit einem öffentlichen Klinikträger zu überführen.
„Andere, bessere Lösungen wären bei rechtzeitigem Handeln möglich gewesen“, erklärte Roscher und bezeichnete den Verlauf als Folge politischer Versäumnisse.
Für die Mitarbeitenden steht nach Einschätzung von ver.di vor allem die Sicherung der Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt. Die Gewerkschaft begrüßt zwar die angekündigte Bereitschaft des neuen Trägers zu Tarifverhandlungen, fordert jedoch die vollständige Einhaltung bestehender tariflicher Standards. Kritisch bewertet ver.di angekündigte Veränderungen bei einzelnen Leistungen, z. B. bei der betrieblichen Altersversorgung. Die Gewerkschaft erwartet, dass alle Beschäftigten übernommen werden und die tariflichen Rahmenbedingungen erhalten bleiben.




