Varel baut Gesundheitszentrum mit neuem MVZ nach Klinikschließung auf

Landkreis Friesland setzt nach dem Aus des St.-Johannes-Hospitals auf ambulante Versorgungsstrukturen und Gesundheitscampus

Nach der geplanten Schließung des St.-Johannes-Hospitals in Varel nimmt die Neuorganisation der medizinischen Versorgung konkrete Formen an. Wie Hooksiel-Life unter Berufung auf den Landkreis Friesland berichtet, wurde die MVZ Gesundheitszentrum Varel GmbH gegründet und die Übertragung mehrerer vertragsärztlicher Sitze beschlossen. Gemeinsam mit einem geplanten Gesundheitscampus soll die ambulante Versorgung im südlichen Landkreis Friesland langfristig gesichert werden.

Neue MVZ-Gesellschaft übernimmt vertragsärztliche Versorgung

Mit der Gründung der MVZ Gesundheitszentrum Varel GmbH wird die ambulante medizinische Versorgung am bisherigen Krankenhausstandort neu organisiert. Der Kreisausschuss sowie Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Friesland Kliniken haben dem Verkauf der bisherigen MVZ-Betriebe für Chirurgie, Pädiatrie und Gynäkologie an die neue Gesellschaft zugestimmt.

Insgesamt werden drei vertragsärztliche Zulassungen – jeweils ein KV-Sitz für Chirurgie, Kinder- und Jugendmedizin sowie Gynäkologie – auf das neue Medizinische Versorgungszentrum übertragen. Gesellschafter der neuen Gesellschaft sind die Stadt Varel sowie die beiden Vareler Ärzte Dr. Tim Brinkmann und Dr. Arne Richter. Die operative Geschäftsführung übernimmt die Medoplan GmbH aus Hameln, die auf die Organisation und den Betrieb von Medizinischen Versorgungszentren spezialisiert ist.

Mit der Übertragung der Vertragsarztsitze bleibt die ambulante fachärztliche Versorgung am Standort erhalten und schafft die Grundlage für den weiteren Ausbau des medizinischen Angebots.

Gesundheitscampus bündelt ambulante Leistungen

Parallel zum Aufbau des MVZ plant der Landkreis Friesland die Entwicklung eines Gesundheitscampus am bisherigen Klinikstandort. Neben dem Medizinischen Versorgungszentrum sollen dort künftig auch ein Ambulantes Operationszentrum (AOZ) sowie die Frauenklinik angesiedelt werden.

Der Gesundheitscampus soll als zentraler Anlaufpunkt für die medizinische Versorgung im südlichen Landkreis dienen und verschiedene ambulante Leistungsangebote unter einem Dach bündeln. Ziel ist es, die Versorgung nach der Aufgabe des Krankenhausstandortes neu zu strukturieren und sektorenübergreifende Versorgungsangebote auszubauen.

Landrat Sven Ambrosy bezeichnete das Konzept als wichtigen Schritt, um langfristig tragfähige und wirtschaftlich finanzierbare Strukturen für die regionale Gesundheitsversorgung zu schaffen. Auch Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner sieht in dem neuen Modell eine Chance, die medizinische Versorgung am Standort dauerhaft zu sichern.

Ambulantisierung verändert regionale Krankenhausstrukturen

Die Entwicklung in Varel steht exemplarisch für den strukturellen Wandel der Krankenhauslandschaft. Während kleinere Krankenhausstandorte zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen, gewinnen Medizinische Versorgungszentren und ambulante Gesundheitscampus als alternative Versorgungsmodelle an Bedeutung.

Nach Angaben der Friesland Kliniken soll das neue Versorgungskonzept eine höhere Wirtschaftlichkeit mit einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung verbinden. Geschäftsführerin Petra Hohmann betont, dass die geschaffenen Strukturen die Grundlage für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung bilden.

Mit der Kombination aus MVZ, Ambulantem Operationszentrum und spezialisierten ambulanten Angeboten folgt der Landkreis einem Versorgungskonzept, das im Zuge der Krankenhausreform und der zunehmenden Ambulantisierung bundesweit an Bedeutung gewinnt.

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