Universitätsmedizin Greifswald legt Grundstein für europäische Sepsis-Strategie

Europaweite Studien zeigen Defizite in Erkennung und Behandlung – Verbesserungspotenzial für Krankenhäuser

Die Universitätsmedizin Greifswald hat mit zwei aktuellen Publikationen die Grundlage für neue nationale und europäische Strategien zur Sepsisversorgung geschaffen. Die Studien, veröffentlicht im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine sowie in The Lancet Regional Health – Europe, zeigen deutlich, dass viele europäische Krankenhäuser Defizite in der Früherkennung, standardisierten Behandlung und mikrobiologischen Diagnostik von Sepsis aufweisen.

Die als Blutvergiftung bekannte Sepsis gehört zu den häufigsten und tödlichsten Notfällen weltweit. Eine schnelle Diagnose und gezielte Therapie sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Die erste Publikation beschreibt erstmals den Stand der Sepsisversorgung in über 1.000 Krankenhäusern aus 69 Ländern. Ergebnis: Standardisierte Verfahren zur Früherkennung waren nur in rund der Hälfte der Notaufnahmen und Normalstationen etabliert, und strukturierten Qualitätsprogrammen existierten lediglich in 9,8 % der Häuser. „Unsere Ergebnisse zeigen klar: Sepsisversorgung ist ein Strukturproblem“, betont Dr. Christian Scheer, Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin.

Die zweite Studie untersuchte die Organisation und Durchführung der mikrobiologischen Diagnostik in 907 europäischen Krankenhäusern. Sie verdeutlicht, dass auch hier erheblicher Verbesserungsbedarf besteht: So werden teils zu wenige Blutkulturen entnommen, und 90 % der Labore sind nachts geschlossen. Prof. Evgeny A. Idelevich vom Friedrich Loeffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie unterstreicht, dass ein ausreichendes Blutvolumen für zielgerichtete Therapien entscheidend sei. Eine Kombination aus Schnelldiagnostik und 24/7-Laborservice erwies sich als am effektivsten, ist jedoch in weniger als acht Prozent der Einrichtungen verfügbar, ergänzt Prof. Dr. Karsten Becker.

Die Publikationen dokumentieren nicht nur Defizite, sondern bieten auch Ansatzpunkte für die Verbesserung der Sepsisversorgung in Europa. Prof. Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, bezeichnet die Arbeiten als wegweisend: „Die Studien unterstreichen die Notwendigkeit politischer und organisatorischer Maßnahmen, um Sepsis europaweit frühzeitig zu diagnostizieren und wirksam zu behandeln.“

Für Krankenhäuser bedeutet dies, dass die Implementierung von strukturierten Qualitätsprogrammen, standardisierten Erkennungsmaßnahmen und leistungsfähigen mikrobiologischen Laboren zentrale Schritte sind, um die Behandlungssicherheit und Patientenergebnisse bei Sepsis deutlich zu verbessern.

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