Tarifkonflikt bei Asklepios Brandenburg: Fronten verhärtet vor zweiter Verhandlungsrunde

Gewerkschaft ver.di fordert Angleichung an Hamburger Niveau – Angebot der Klinikleitung als „völlig unzureichend“ abgelehnt

Die Tarifauseinandersetzung für die rund 1.450 nichtärztlichen Beschäftigten der Asklepios Fachkliniken in Brandenburg an der Havel, Teupitz und Lübben geht in die nächste Phase. Am heutigen 27. Januar 2026 werden die Verhandlungen in einer zweiten Runde fortgesetzt, nachdem der Auftakt Mitte Januar ohne Einigung blieb. Kernpunkt des Streits ist das massive Lohngefälle innerhalb des Asklepios-Konzerns: Während an den Hamburger Standorten der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) angewandt wird, hinken die Entgelte in Brandenburg deutlich hinterher.

Die Gewerkschaft ver.di fordert eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 10 Prozent, mindestens jedoch um 360 Euro monatlich, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Das erste Angebot der Arbeitgeberseite, das Steigerungen von lediglich 2,4 Prozent erst ab April 2026 vorsah, wies die Tarifkommission scharf zurück. Laut ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke käme diese Erhöhung nicht nur zu spät, sondern bleibe auch weit hinter der notwendigen Wertschätzung zurück – insbesondere für Stationsleitungen und Pflegefachkräfte, die im Vergleich zu Hamburger Kollegen teilweise über 500 Euro weniger im Monat verdienen.

Aus der Perspektive des Klinikmanagements ist die aktuelle Tarifrunde bei den Asklepios Fachkliniken von zentraler Bedeutung für die langfristige Standortsicherung. Als Betreiber psychiatrisch-neurologischer Fachkliniken und des Maßregelvollzugs ist Asklepios in Brandenburg auf hochspezialisiertes Personal angewiesen.

Kritische Management-Faktoren im Überblick:

Wettbewerbsfähigkeit: In Zeiten des eklatanten Fachkräftemangels ist das Lohngefälle zwischen den Konzernstandorten (Brandenburg vs. Hamburg) ein erhebliches Risiko für die Mitarbeiterbindung. Eine Abwanderung von Pflegekräften in Richtung Berlin oder zu Trägern mit TVöD-Anbindung gefährdet die Belegungskapazitäten und damit die Erlösstruktur.

Prozessqualität durch Stationsleitungen: Die Forderung nach einer Aufwertung der Stationsleitungen ist fachlich begründet. Diese Führungskräfte sind der Schlüssel zur Prozesssteuerung und Effizienz auf den Stationen. Eine Unterbezahlung im Vergleich zum Hamburger Niveau erschwert die Besetzung dieser Schlüsselpositionen massiv.

Refinanzierung: Für das Controlling stellt sich die Herausforderung, die steigenden Personalkosten in den Budgetverhandlungen mit den Kostenträgern abzubilden. Da psychiatrische Leistungen über das Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP), müssen Tarifsteigerungen als notwendige Vorhaltekosten gegenüber den Kassen durchgesetzt werden.

Das Festhalten an einer 39-Stunden-Woche bei gleichzeitig niedrigeren Löhnen als im Westen ist im Jahr 2026 kaum noch vermittelbar. Das Management steht vor der Aufgabe, ein Angebot vorzulegen, das die wirtschaftliche Stabilität der Brandenburger GmbH sichert, ohne die Belegschaft durch eine dauerhafte „Zweitklassigkeit“ zu demotivieren.

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