Südharz Klinikum erwartet Millionenverluste durch GKV-Reform

Geschäftsführer Guido Hage warnt vor zweistelligen Erlöseinbußen und plant weiteren Personalaufbau

Das Südharz Klinikum Nordhausen hat 2025 erneut ein positives Jahresergebnis erzielt und mehr als 20.000 stationäre Patientinnen und Patienten versorgt. Gleichzeitig warnt Geschäftsführer Guido Hage vor erheblichen finanziellen Belastungen durch das geplante GKV-Stabilisierungsgesetz: Sollten die vorgesehenen Einschnitte umgesetzt werden, rechnet das kommunale Krankenhaus mit einer Erlösminderung im zweistelligen Millionenbereich.

Nach Angaben des Klinikums konnte die Zahl der stationär behandelten Patienten im vergangenen Jahr um rund 1.000 Fälle gesteigert werden. Das Südharz Klinikum sieht sich damit weiterhin als zentralen Gesundheitsversorger für Nordthüringen und angrenzende Regionen.

Eine wesentliche Rolle spielt die Zentrale Notaufnahme. Aufgrund ihres überregionalen Rufes wurden 2025 zunehmend Patienten aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt im Nordhäuser Klinikum behandelt. Damit reicht das Einzugsgebiet deutlich über Thüringen hinaus.

Parallel setzt das Krankenhaus seine Strategie der medizinischen Spezialisierung fort. Neben dem etablierten Brust- und Darmzentrum werden das Prostatazentrum und das Pankreaszentrum weiterentwickelt. Zudem befindet sich ein Endoprothetikzentrum im Aufbau. In der elektiven Orthopädie wurde eine zweite Station eröffnet.

Für das Klinikmanagement ist dabei insbesondere die Kombination aus Spezialisierung und umfassender Versorgung relevant. Nach Darstellung des Geschäftsführers ermöglicht das breite Leistungsspektrum auch die Behandlung von Patienten mit komplexen Begleiterkrankungen, bei denen eine isolierte Versorgung in spezialisierten Einzelstrukturen an Grenzen stoßen kann.

Personal wird weiter aufgebaut

Auch beim Personal verzeichnet das Klinikum eine positive Entwicklung. Insgesamt beschäftigt das Krankenhaus knapp 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Personalaufbau soll insbesondere in der Pflege fortgesetzt werden.

Zum 1. August sollen zwölf Krankenpflegehelfer beginnen, im September sollen weitere 24 Pflegefachkräfte hinzukommen. Zusätzlich ist eine Aufstockung der Honorarpflegekräfte vorgesehen. Bei der Personalgewinnung arbeitet das Klinikum weiterhin mit spezialisierten Personalagenturen zusammen.

Im ärztlichen Bereich konnte dagegen der Einsatz von Honorarärzten deutlich reduziert werden. Nach Angaben des Geschäftsführers ist dies vor allem durch zusätzliche Festanstellungen gelungen. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Krankenhauses ist dieser Trend relevant, da eine stärkere Bindung ärztlichen Personals grundsätzlich die Abhängigkeit von kostenintensiveren externen Personalstrukturen reduzieren kann.

GKV-Reform belastet wirtschaftliche Perspektive

Trotz der positiven Entwicklung blickt die Geschäftsführung mit Sorge auf die kommenden Jahre. Die Auswirkungen des geplanten GKV-Stabilisierungsgesetzes könnten die wirtschaftliche Situation des kommunalen Krankenhauses erheblich verschärfen.

Sollten die derzeit vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt werden, erwartet das Südharz Klinikum nach Angaben von Guido Hage eine Erlösminderung im zweistelligen Millionenbereich. Konkrete Gegenmaßnahmen seien derzeit allerdings noch nicht möglich, da wesentliche Entscheidungen zur künftigen Versorgungsplanung und zur Entwicklung umliegender Krankenhausstandorte erst zum Jahresende erwartet werden.

Damit steht das Südharz Klinikum vor einem für viele Krankenhäuser typischen strategischen Spannungsfeld: Einerseits steigen Fallzahlen, Spezialisierung und Personal, andererseits drohen erhebliche Eingriffe in die Erlösbasis. Für die Geschäftsführung wird damit entscheidend sein, wie der künftige Versorgungsauftrag des Hauses ausgestaltet wird und welche Leistungen am Standort dauerhaft abgesichert werden.