St.-Clemens-Hospital und ctt warnen vor Folgen der GKV-Reformpläne
Freigemeinnützige und regionale Klinikträger fordern Nachbesserungen bei der Krankenhausfinanzierung – Sorge vor zusätzlichem wirtschaftlichem Druck wächst
Das St.-Clemens-Hospital Geldern und die cusanus trägergesellschaft trier (ctt) haben vor den Auswirkungen der geplanten Reformmaßnahmen zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gewarnt. Nach Einschätzung der Träger könnten die vorgesehenen Regelungen die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser weiter verschärfen. In einem gemeinsamen Appell fordern sie daher Nachbesserungen und eine stärker versorgungsorientierte Ausgestaltung der Reform.
Das politische Ziel stabiler Krankenkassenbeiträge sei grundsätzlich nachvollziehbar. Kritisch werde jedoch angemerkt, dass diese Stabilisierung auf Kosten der Krankenhäuser erfolgen könnte.
„Stabile Krankenkassenbeiträge sind ein nachvollziehbares Ziel. Sie dürfen aber nicht dadurch erreicht werden, dass Krankenhäuser zusätzlich finanziell unter Druck geraten“, sagt Ludger Broeckmann, Kaufmännischer Direktor des St.-Clemens-Hospitals Geldern. Das Krankenhaus verstehe sich als zentraler Versorger im Niederrhein und im Kreis Kleve und benötige dafür verlässliche Rahmenbedingungen.
Die Kliniken verweisen darauf, dass sie in einer regional geprägten Versorgungsstruktur eine Schlüsselrolle einnehmen – nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für Rettungsdienste, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Partner im Gesundheitswesen.
Zur Einordnung der aktuellen Lage verweisen die Träger auf Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Demnach schrieben im Jahr 2024 rund 75 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland Verluste. Zugleich sei der Anteil der Krankenhausausgaben an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen Jahren gesunken. Daraus leiten die Träger ab, dass Krankenhäuser nicht als Hauptkostentreiber im System gelten können. Weitere Einschnitte könnten nach ihrer Einschätzung direkte Auswirkungen auf Investitionen, Digitalisierung und Personalentwicklung haben. Damit stünde nicht nur die wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die langfristige Versorgungsqualität auf dem Spiel.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich in der Stellungnahme auf die Situation freigemeinnütziger Träger wie der ctt. Diese vereinten Gemeinwohlorientierung mit wirtschaftlicher Verantwortung, verfügten jedoch nicht über die Möglichkeit, Defizite dauerhaft über kommunale Haushalte auszugleichen.
„Wer gute Versorgung will, muss auch gute Arbeitsbedingungen und notwendige Zukunftsinvestitionen ermöglichen“, erklärt Christoph Weß, Geschäftsführer der ctt. Die geplanten Reformen dürften die Handlungsspielräume der Einrichtungen nicht weiter einschränken.
Die Träger sehen insbesondere Risiken für die Weiterentwicklung moderner Versorgungsangebote sowie für die Sicherung attraktiver Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.
Das St.-Clemens-Hospital und die ctt sprechen sich grundsätzlich für Reformen im Gesundheitswesen aus, fordern jedoch eine stärkere Orientierung an Versorgungssicherheit und Planbarkeit. Entscheidend sei eine ausgewogene Lastenverteilung innerhalb des Systems. Die Kliniken appellieren zudem an die Bundestagsabgeordneten der Region, sich für Nachbesserungen der Reformpläne einzusetzen. Ziel müsse es sein, die Krankenhausversorgung langfristig stabil zu sichern und gleichzeitig die notwendigen Transformationsprozesse nicht zu gefährden.




