Speyer erhält alle Leistungsgruppen – Bad Dürkheim vor Umbau?

Diakonissen-Klinik bekommt sämtliche beantragten Leistungsgruppen – Bad Dürkheim verliert Gynäkologie und wird als möglicher Regioklinik-Standort genannt

Die neue Krankenhausplanung in Rheinland-Pfalz bringt für die beiden Krankenhäuser der Diakonissen Speyer weitgehend positive Entscheidungen. Das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer erhält sämtliche beantragten Leistungsgruppen. Auch das Evangelische Krankenhaus Bad Dürkheim kann wesentliche Teile seines bisherigen Versorgungsspektrums fortführen, muss jedoch auf die beantragten Leistungsgruppen der Gynäkologie verzichten. Gleichzeitig erwägt das Land, den Standort perspektivisch zu einer Regioklinik zu entwickeln.

Mit der neuen Krankenhausplanung legt Rheinland-Pfalz fest, welche stationären Leistungen die einzelnen Krankenhausstandorte ab 2027 erbringen dürfen. Für die Diakonissen Speyer sieht Vorstand Udo Langenbacher in den vorgesehenen Zuweisungen eine weitgehende Bestätigung der bisherigen medizinischen Entwicklung der beiden Häuser.

Fast alle von den Krankenhäusern in Speyer und Bad Dürkheim beantragten Leistungsgruppen sollen zugewiesen werden. Unterschiede gibt es jedoch insbesondere bei der zukünftigen Entwicklung der beiden Standorte.

Speyer erhält sämtliche beantragten Leistungsgruppen

Besonders umfassend fällt die Entscheidung für das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer aus. Dem Krankenhaus wurden nach Angaben des Trägers sämtliche beantragten Leistungsgruppen zugewiesen.

Damit kann das bisherige Versorgungsspektrum unter anderem bei Herz-, Magen-Darm-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen fortgeführt werden. Auch Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Allgemein- und Gefäßchirurgie sowie Kinderheilkunde und die Versorgung von Frühgeborenen bleiben Bestandteil des stationären Angebots.

Hinzu kommen Notfallversorgung, Intensivmedizin, Palliativmedizin, Altersmedizin und Endoprothetik.

Auch die telemedizinische Versorgung der Schlaganfalleinheit innerhalb des Schlaganfallnetzwerks Rheinland-Pfalz (TemeS-RLP) soll weiter angeboten werden können.

Wolfgang Walter, Sprecher der Geschäftsführung des Diakonissen-Stiftungs-Krankenhauses Speyer, sieht in der vollständigen Zuweisung eine Bestätigung der bisherigen Spezialisierungsstrategie und der vielfach zertifizierten medizinischen Versorgung des Hauses.

Bad Dürkheim behält wesentliche Versorgungsbereiche

Auch das Evangelische Krankenhaus Bad Dürkheim erhält nach Angaben der Diakonissen Speyer einen Großteil der beantragten Leistungsgruppen.

Besonders positiv bewertet die Klinik die Entscheidungen im Bereich der Endoprothetik. Für den künstlichen Gelenkersatz an Knie und Hüfte wurden sämtliche beantragten Leistungsgruppen zugewiesen.

Bei der Erstimplantation von Gelenkersatz gehört Bad Dürkheim damit nach Angaben des Krankenhauses künftig zu insgesamt 40 Standorten in Rheinland-Pfalz. Bei Wechseloperationen an künstlichen Knie- oder Hüftgelenken zählt das Krankenhaus demnach zu lediglich 17 Häusern im Land.

Darüber hinaus sollen weiterhin Leistungen in der Unfall- und Allgemeinchirurgie, Inneren Medizin mit den Bereichen Gastroenterologie und Kardiologie sowie Altersmedizin, Palliativmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie angeboten werden.

Auch die 60 bestehenden Betten der Psychosomatik wurden im neuen Landeskrankenhausplan nach Angaben des Krankenhauses erneut berücksichtigt.

Keine Leistungsgruppen für Gynäkologie

Eine Einschränkung betrifft dagegen die Frauenheilkunde. Das Land hat die vom Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim beantragten Leistungsgruppen in der Gynäkologie abgelehnt.

Geschäftsführer Christoph Patzelt bezeichnet die Entscheidung als nicht den Erwartungen des Hauses entsprechend. Zugleich erkenne die Klinik an, dass die Versorgung in diesem Bereich nach Einschätzung des Landes voraussichtlich durch andere Krankenhäuser der Region gewährleistet werden könne.

Damit bleibt das medizinische Angebot in Bad Dürkheim zwar in zahlreichen Bereichen bestehen, die gynäkologische Versorgung gehört nach der vorgesehenen Leistungsgruppenzuweisung jedoch nicht mehr zum zukünftigen stationären Spektrum.

Land sieht Bad Dürkheim als möglichen Regioklinik-Standort

Für weiteren Gesprächsbedarf sorgt die langfristige Perspektive des Standorts. Das Gesundheitsministerium erwägt nach Angaben der Diakonissen Speyer, das Evangelische Krankenhaus Bad Dürkheim zu einem von sieben möglichen Regioklinik-Standorten in Rheinland-Pfalz zu entwickeln.

Für den Träger kam diese Perspektive offenbar unerwartet.

„Dass das Ministerium erwägt, das Evangelische Krankenhaus Bad Dürkheim perspektivisch zu einem von sieben möglichen Regioklinik-Standorten in Rheinland-Pfalz zu entwickeln, hat uns überrascht“, erklärt Vorstand Udo Langenbacher.

Die Diakonissen Speyer wollen deshalb den weiteren Austausch mit dem Ministerium suchen.

Eine solche Entwicklung würde über die aktuelle Leistungsgruppenzuweisung hinausgehen. Die vom Land geplanten Regiokliniken sollen perspektivisch als sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen eine stärkere Verbindung stationärer und ambulanter Angebote ermöglichen.

Für Bad Dürkheim steht damit neben der konkreten Leistungsgruppenzuweisung ab 2027 auch die längerfristige strukturelle Ausrichtung des Krankenhausstandorts zur Diskussion.