Scope of Practice: Charité stärkt akademisierte Pflege mit neuem Kompetenzrahmen
Universitätsklinikum Berlin führt erstmals flächendeckenden „Scope of Practice“ für Bachelor Nurses ein

Plakat Scope of Practice. © Charité
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat zum Internationalen Tag der Pflegenden ein neues Konzept für akademisch qualifizierte Pflegefachkräfte vorgestellt. Mit dem sogenannten „Scope of Practice“ definiert das Universitätsklinikum erstmals verbindlich, welche Aufgaben Pflegefachkräfte mit Bachelor-Abschluss eigenverantwortlich übernehmen können. Nach Angaben der Charité handelt es sich um das erste flächendeckende Modell dieser Art an einem deutschen Universitätsklinikum.
Das Konzept reagiert auf die zunehmende Akademisierung der Pflege sowie auf neue gesetzliche Rahmenbedingungen durch das Anfang 2026 in Kraft getretene Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP). Dieses sieht eine stärkere Kompetenzübertragung auf akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte vor.
Der neue Handlungsrahmen umfasst acht zentrale Kompetenzbereiche und definiert Standards für eine evidenzbasierte, sichere und patientenzentrierte Versorgung. Bachelor Nurses sollen künftig neben klassischen pflegerischen Tätigkeiten auch erweiterte klinische Aufgaben übernehmen können, darunter delegierte ärztliche Tätigkeiten, wissenschaftsbasierte Versorgungskonzepte sowie die Mitwirkung an Forschung und Lehre.
Handbuch für Bachelor Nurses an der Charité – Universitätsmedizin Berlin
Nach Angaben der Charité werden wissenschaftliche Erkenntnisse dadurch stärker direkt in die Versorgungspraxis integriert. Pflegefachkräfte mit Hochschulabschluss sollen Pflegeprozesse analysieren, evaluieren und aktiv weiterentwickeln. Ziel sei eine kontinuierliche Verbesserung der Versorgungsqualität.
Joachim Spranger betonte, die Bachelor Nurses seien zusätzlich zur beruflichen Kompetenz auch wissenschaftlich qualifiziert und könnten evidenzbasiertes Arbeiten weiter stärken. Zugleich begrüßte er die Übernahme erweiterter klinischer Aufgaben durch akademisierte Pflegefachkräfte.
Auch Carla Eysel bezeichnete den „Scope of Practice“ als Meilenstein für die Profession Pflege. Klare Kompetenzregelungen stärkten nicht nur die Rolle der Pflegefachkräfte, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung.
International existieren vergleichbare Modelle bereits seit Jahren, unter anderem in Australien, Kanada oder den Niederlande. Dort übernehmen akademisch qualifizierte Pflegekräfte vielerorts eigenständig erweiterte Aufgaben in Diagnostik, Therapiekoordination und Patientensteuerung. Die Charité sieht sich mit ihrem Konzept daher als Vorreiterin innerhalb Deutschlands und hat den „Scope of Practice“ nach eigenen Angaben patentieren lassen.
Für das Krankenhausmanagement gewinnt die Entwicklung vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, steigender Komplexität in der Versorgung und neuer Rollenmodelle in multiprofessionellen Teams zusätzlich an Bedeutung. Akademisierte Pflege könnte künftig stärker zur Prozesssteuerung, Qualitätsentwicklung und Entlastung ärztlicher Strukturen beitragen.




