Modellprojekt: Krankenhaus Seelow wandelt sich zum „stambulanten“ Gesundheitscampus
Die medizinische Versorgung im ländlichen Brandenburg erhält ein neues Gesicht. In den kommenden vier Jahren wird das Krankenhaus Seelow zu einem sektorübergreifenden Gesundheitscampus weiterentwickelt.
Das Ziel: Die Verzahnung von stationären und ambulanten Angeboten unter einem Dach, um den Standort als Ankerpunkt für die Region zukunftsfest zu machen.
Angesichts sinkender Bevölkerungsdichten und der Anforderungen der Krankenhausreform schlägt der Standort Seelow einen innovativen Weg ein. In enger Kooperation mit dem brandenburgischen Gesundheitsministerium und den Partnern der „IGiB – Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg GmbH“ wird das Haus in ein ambulant-stationäres Zentrum umgewandelt. Dieses sogenannte „stambulante“ Modell soll sicherstellen, dass personelle und diagnostische Ressourcen effektiver genutzt werden.
Trotz der Transformation bleibt der Kern der medizinischen Basisversorgung erhalten. Um die Mindestvoraussetzungen für ein Krankenhaus der Grundversorgung zu erfüllen, werden die Fachabteilungen für Innere Medizin, Notfallversorgung sowie Allgemein- und Unfallchirurgie fortgeführt.
Ergänzt wird dieses Angebot durch eine deutliche Ausweitung ambulanter Leistungen. Das Campus-Konzept sieht vor, den Standort schrittweise um folgende Angebote zu erweitern:
Therapie & Handel: Integration von Physiotherapie, Apotheke und Sanitätshaus.
Überwachungseinheit: Etablierung einer Einheit für Patienten, die bis zu 24 Stunden beobachtet werden müssen, ohne stationär aufgenommen zu werden.
Kurzzeitpflege: Neue Kapazitäten für die vorübergehende Pflege nach einem Klinikaufenthalt.
Telemedizin & Vernetzung: Nutzung moderner IT-Lösungen für den ländlichen Raum und Aufbau eines Weiterbildungsnetzwerks.
Gesundheitsministerin Britta Müller betonte bei der Vorstellung des Konzepts, dass Seelow ein Musterbeispiel für die Versorgung im ländlichen Raum sei. „Landkrankenhäuser der Grundversorgung bleiben als Ankerpunkte für die Akut- und Notfallversorgung wichtige Standorte“, so Müller. Auch Landrat Gernot Schmidt und Geschäftsführerin Katja Thielemann werteten die Neuprofilierung als lebensnotwendiges Signal für die Bevölkerung und den Erhalt der regionalen Gesundheitsversorgung.
Die Partner der IGiB – bestehend aus der AOK Nordost, der IKK Brandenburg und Berlin sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) – unterstützen den Umbau, mahnen jedoch auch notwendige Rahmenbedingungen an. KVBB-Vorstandsvorsitzende Catrin Steiniger betonte, dass eine verlässliche und ergänzende Finanzierung die Voraussetzung für den Erfolg solcher Verknüpfungsprojekte sei. Für die Krankenkassen steht die patientenzentrierte Gestaltung im Vordergrund: Ziel sei eine „ganzheitliche und nahtlose Versorgung“, die sich am tatsächlichen Bedarf vor Ort orientiert.





