Medizin Campus Bodensee startet Sanierungsprozess in Eigenverwaltung

Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang sollen langfristig gesichert werden – Gericht ordnet vorläufige Eigenverwaltung an

Der Medizin Campus Bodensee (MCB) hat den angekündigten Sanierungsprozess zur Neuaufstellung seiner Kliniken in Friedrichshafen und Tettnang offiziell begonnen. Das Amtsgericht Ravensburg folgte den Anträgen von Klinik-Geschäftsführer Dr. Jan-Ove Faust und ordnete für beide Häuser die vorläufige Eigenverwaltung an. Ziel des Verfahrens ist es, die medizinische Versorgung in der Region langfristig zu sichern und die wirtschaftliche Basis des Klinikverbundes zu stabilisieren.

„Der Betrieb der Klinik geht während der Sanierungsphase ganz normal weiter“, betonte Faust. „Alle medizinischen Versorgungsleistungen werden unverändert und in vollem Umfang erbracht. Alle unsere Patienten werden mit der gewohnten Sorgfalt und Hingabe versorgt und behandelt. Die Patienten werden vom Eigenverwaltungsverfahren überhaupt nichts mitbekommen.“

Die nun gestarteten vorläufigen Verfahren sollen voraussichtlich bis Ende Januar 2026 andauern. Im Anschluss kann das Gericht das Verfahren eröffnen und die Eigenverwaltung erneut anordnen. Während dieser Zeit ist die Klinik vor Eingriffen von außen geschützt. Zugleich können die Verantwortlichen die rechtlichen Instrumente des Insolvenzrechts gezielt nutzen, um die begonnene Neuaufstellung effizient umzusetzen – ein Weg, den bereits zahlreiche Krankenhäuser erfolgreich beschritten haben.

Rund 1.700 Mitarbeitende der beiden Standorte wurden über den Verfahrensbeginn informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind zunächst über das Insolvenzgeld abgesichert; anschließend übernimmt der MCB die Zahlungen wieder regulär.

Faust erläuterte die strategischen Ziele der Sanierung: „Erstens wollen wir die Kliniken finanziell konsolidieren. Und zweitens werden wir eine umfassende strategische Neustrukturierung des MCB erreichen. Der MCB will ein medizinisches Leistungsangebot entwickeln, das besser zu finanzieren ist als die Strukturen, die der Klinikverbund bis jetzt unterhält.“ Dabei sollen alle wesentlichen medizinischen Angebote erhalten bleiben.

Ein möglicher Weg zur Stabilisierung könnte ein Zusammenschluss mit der Oberschwabenklinik (OSK) sein. Der begonnene Investorenprozess bleibt jedoch ergebnisoffen. „Der Zuschlag erhält, wer das beste Angebot vorlegt“, betonte Faust. „Eigenverwaltungsverfahren müssen aus gesetzlichen Gründen offen geführt werden.“

Die Einleitung des Verfahrens wurde erforderlich, nachdem die Stadt Friedrichshafen beschlossen hatte, die Verluste des MCB künftig nicht mehr auszugleichen und sich zum Jahresende aus der Trägerschaft des Klinikums zurückzuziehen. „Wir sind ein unverzichtbarer Teil der medizinischen Versorgung hier in der Region und wollen diese Aufgabe auch in Zukunft erfüllen“, erklärte Faust. „Unsere kommunalen Träger haben uns deshalb für den nun eingeleiteten Sanierungsprozess ihre Unterstützung zugesagt. Das ist für die Zukunft des Medizin Campus Bodensee von großer Bedeutung.“

Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht den Sanierungsexperten Dr. Rainer Eckert von der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte. Zudem treten zwei erfahrene Generalbevollmächtigte in das MCB-Management ein: Burkhard Jung, Partner bei Deloitte und einer der bekanntesten deutschen Sanierungsberater, sowie Dr. Gerrit Heublein, Rechtsanwalt und Experte für Eigenverwaltungsverfahren.

Faust zeigte sich trotz der herausfordernden Situation optimistisch: „Der Medizin Campus Bodensee hat eine Menge zu bieten. Wir müssen uns nicht verstecken. Unsere beiden Kliniken verfügen über hervorragende Mitarbeitende und ein breites Spektrum medizinischer Angebote auf der Höhe der Zeit. Unser pflegerisches und medizinisches Personal steht für moderne Medizin, enorm viel Erfahrung und engagierte Versorgung. Deshalb gehen wir mit Selbstbewusstsein in den nun beginnenden Prozess der Neuaufstellung.“