Marienhospital Stuttgart setzt im Insolvenzverfahren auf medizinische Stärke

Trotz wirtschaftlicher Neuaufstellung: Klinik betont Spezialisierung, interdisziplinäre Versorgung und engagierte Mitarbeitende

Das Marienhospital Stuttgart will trotz des laufenden Insolvenzverfahrens den Blick auf seine medizinische Leistungsfähigkeit richten. Während die wirtschaftliche Situation des Hauses die öffentliche Diskussion bestimmt, verweist das Krankenhaus auf die Weiterentwicklung seiner medizinischen Schwerpunkte, hochspezialisierte Versorgungsangebote und das Engagement seiner Mitarbeitenden. Interimsgeschäftsführer Dr. Jan Schlenker sieht darin einen zentralen Bestandteil der Zukunftsfähigkeit des Hauses.

„Die öffentliche Diskussion konzentriert sich derzeit stark auf wirtschaftliche Fragen“, erklärt Schlenker. Gleichzeitig würden die Teams täglich eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau sicherstellen. Gerade bei komplexen Krankheitsbildern komme es auf medizinische Kompetenz, Erfahrung und interdisziplinäre Zusammenarbeit an.

Medizinische Schwerpunkte werden trotz Insolvenz weiterentwickelt

Nach Angaben des Marienhospitals soll die medizinische Entwicklung auch während der laufenden Neuaufstellung konsequent fortgesetzt werden. Das Krankenhaus verweist dabei auf eine Reihe spezialisierter Angebote, die das eigene Profil prägen.

Dazu zählt insbesondere die Notfallmedizin. Seit Anfang 2026 ist in der Zentralen Notaufnahme rund um die Uhr eine Oberärztin beziehungsweise ein Oberarzt präsent. Nach Angaben des Hauses handelt es sich dabei um ein in Stuttgart besonderes Versorgungsangebot. Gleichzeitig wurden Zentrale Notaufnahme und Intensivmedizin enger miteinander verzahnt. Bei schwerstkranken Patientinnen und Patienten kommen unter anderem auch ECMO-Verfahren zum Einsatz.

Auch in der Gastroenterologie setzt das Marienhospital nach eigenen Angaben auf moderne und möglichst schonende Behandlungsmethoden. Hinzu kommen spezialisierte Zentren sowie der Ausbau der roboterassistierten Chirurgie. In der HNO-Chirurgie werden solche Verfahren beispielsweise zur besonders gewebeschonenden Behandlung von Zungengrundkarzinomen eingesetzt.

Eine weitere Besonderheit ist das interdisziplinäre Shunt-Referenzzentrum, an dem Nephrologie, Radiologie und Gefäßchirurgie beteiligt sind. Das Zentrum wurde erfolgreich rezertifiziert. Als Stärken wurden laut Krankenhaus speziell die kurzen Abstimmungswege, die organisatorische Qualität und die Zusammenarbeit der beteiligten Fachrichtungen hervorgehoben.

Interdisziplinäre Versorgung als strategischer Vorteil

Das Marienhospital stellt insbesondere die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen als einen wesentlichen Bestandteil seines Versorgungsmodells heraus. Bei seltenen oder komplexen Erkrankungen sollen unterschiedliche Expertisen zu individuell abgestimmten Behandlungskonzepten zusammengeführt werden.

Als Beispiel nennt das Krankenhaus die gemeinsame Versorgung einer seltenen Erkrankung durch Gynäkologie und Allgemeinchirurgie. Auch in der rekonstruktiven Handchirurgie verfügt das Haus über spezialisierte Expertise. Bei schweren Verletzungen kommen mikrochirurgische Verfahren zum Einsatz, um beispielsweise Finger und Hände möglichst zu erhalten.

Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit anderen Kliniken. In der Krebsmedizin arbeitet das Marienhospital mit dem Klinikum Stuttgart zusammen, während in der Strahlentherapie eine Kooperation mit dem Robert Bosch Krankenhaus besteht. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten den Zugang zu hochspezialisierter Diagnostik und modernen Therapieverfahren zu ermöglichen.

Geriatrie verbindet Akutmedizin und Rehabilitation

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung älterer Menschen. Unfallchirurgie und Geriatrie arbeiten nach Angaben des Hauses eng zusammen, um Patientinnen und Patienten nach schweren Verletzungen möglichst früh zu mobilisieren und ihre Selbstständigkeit zu erhalten.

Die Kombination aus akutmedizinischer Behandlung, Frührehabilitation und multiprofessioneller Betreuung soll dazu beitragen, dass ältere Menschen nach dem Krankenhausaufenthalt möglichst wieder in ihr häusliches Umfeld zurückkehren können.

Traumaambulanz als besonderes Angebot

Auch die Traumaambulanz gehört zum Profil des Marienhospitals. Sie begleitet Menschen nach Gewalterfahrungen und verzeichnet nach Angaben des Hauses steigende Patientenzahlen.

Das Angebot steht damit beispielhaft für einen Versorgungsansatz, bei dem medizinische Behandlung und persönliche Begleitung miteinander verbunden werden sollen.

Medizinische Entwicklung trotz wirtschaftlicher Krise

Neben der unmittelbaren Patientenversorgung verweist das Marienhospital auf seine Aktivitäten in Wissenschaft und Fortbildung. Im Studienzentrum des Hauses werden klinische Studien koordiniert und begleitet. Ärztinnen und Ärzte engagieren sich zudem in Fachgesellschaften, auf Kongressen und bei Fortbildungsveranstaltungen.

Mit dem Podcast „Heiter bis hypochondrisch“ richtet sich das Haus darüber hinaus an die Öffentlichkeit und vermittelt medizinische Themen in verständlicher Form.

Die Botschaft des Marienhospitals ist damit eindeutig: Die wirtschaftliche Neuaufstellung soll nicht mit einem Verlust des medizinischen Anspruchs verbunden sein. Spezialisierte Versorgung, moderne Behandlungsmethoden, interdisziplinäre Zusammenarbeit und qualifizierte Mitarbeitende sollen weiterhin das Fundament des Hauses bilden.

Gerade im Insolvenzverfahren kommt dieser Positionierung eine besondere Bedeutung zu. Denn neben der wirtschaftlichen Sanierung steht für das Krankenhaus die Frage im Mittelpunkt, welche medizinischen Strukturen langfristig erhalten und weiterentwickelt werden können. Das Marienhospital setzt dabei auf die Kombination aus medizinischer Spezialisierung, Kooperationen und einem breiten interdisziplinären Leistungsangebot.