LungenClinic Grosshansdorf und Krankenhaus Reinbek vertiefen strategische Kooperation
Zwei Stormarner Kliniken setzen auf Spezialisierung, gemeinsame Versorgung und Vernetzung statt Konkurrenz
Die LungenClinic Grosshansdorf und das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift bauen ihre seit zwei Jahren bestehende strategische Partnerschaft weiter aus. Wie die Kliniken mitteilen, werden medizinische Leistungen, Personal und Strukturen zunehmend miteinander vernetzt.
Die beiden Kliniken verfolgen dabei einen komplementären Ansatz. Während die LungenClinic Grosshansdorf auf Erkrankungen der Lunge und Atemwege spezialisiert ist, verfügt das Krankenhaus Reinbek über ein breites Spektrum unter anderem in Kardiologie, Gastroenterologie, Gefäßchirurgie, Viszeralmedizin, Onkologie und weiteren Fachgebieten. Die medizinischen Schwerpunkte sollen nicht gegeneinander, sondern gezielt miteinander verzahnt werden.
Kooperation statt Konkurrenz
Fabian Linke, Krankenhausgeschäftsführer des St. Adolf-Stifts, sieht in der Kooperation eine Antwort auf die zunehmende Spezialisierung der Medizin und die mit der Krankenhausreform verbundenen Veränderungen. Insbesondere mit Blick auf die für 2027 erwarteten Leistungsgruppen gewinnt die Zusammenarbeit aus Sicht der Kliniken an Bedeutung.
So unterstützt das Ärzteteam des Krankenhauses Reinbek die LungenClinic unter anderem in den Bereichen Kardiologie, Gastroenterologie und Gefäßchirurgie. Für Patientinnen und Patienten mit mehreren Erkrankungen soll dadurch eine fachübergreifende Versorgung gewährleistet werden.
Das gemeinsame Ziel besteht nach Angaben der Partner darin, unabhängig vom ursprünglichen Behandlungsort die jeweils erforderliche medizinische Expertise verfügbar zu machen. Gemeinsame Visiten und Operationen sowie abgestimmte Verlegungen sollen dabei ebenso helfen wie der direkte Austausch zwischen den medizinischen Teams.
Thoraxchirurgie wird zwischen den Standorten organisiert
Besonders deutlich wird die neue Arbeitsteilung bei der Behandlung von Tumorpatienten. Das Krankenhaus Reinbek hat seinen onkologischen Schwerpunkt kontinuierlich ausgebaut und verfügt über ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Onkologisches Zentrum. Gleichzeitig besteht bei bestimmten thoraxchirurgischen Eingriffen eine hohe Spezialisierung in Großhansdorf.
Die beiden Kliniken haben deshalb ihre thoraxchirurgische Versorgung neu organisiert. Operationen bei primären Lungentumoren, die bislang in Reinbek durchgeführt wurden, wurden an die spezialisierte LungenClinic abgegeben. Im Gegenzug unterstützen Thoraxchirurgen aus Großhansdorf das Reinbeker Team bei kleineren Eingriffen, die für die Behandlung von Tumorpatienten weiterhin vor Ort erforderlich sind.
Seit März 2025 kommen dafür Fachärztinnen und Fachärzte der LungenClinic regelmäßig nach Reinbek. Dort bieten sie Sprechstunden an, nehmen an Tumorkonferenzen teil, visitieren Patientinnen und Patienten und führen operative Eingriffe durch.
Damit entsteht eine standortübergreifende Versorgung, bei der die jeweilige Expertise dort eingesetzt wird, wo sie benötigt wird.
Komplexe Eingriffe in der spezialisierten Fachklinik
Komplexere Eingriffe wie Lungenlappenentfernungen werden dagegen in der LungenClinic Grosshansdorf durchgeführt. Die Fachklinik verfügt nach eigenen Angaben über langjährige Erfahrung und erfüllt die relevanten Mindestmengen deutlich.
Für die Patientinnen und Patienten soll die Verlegung möglichst ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand erfolgen. Voruntersuchungen, Blutabnahmen, CT-Untersuchungen und Sprechstunden können zunächst in Reinbek erfolgen. Die für den Eingriff erforderlichen Informationen werden anschließend strukturiert an die LungenClinic übergeben.
Nach der Operation soll die weitere Krebstherapie wiederum in Reinbek ambulant oder stationär fortgesetzt werden können. Damit entsteht ein abgestimmter Behandlungspfad über zwei Standorte hinweg.
Kooperation reicht über die Medizin hinaus
Die Zusammenarbeit beschränkt sich jedoch nicht auf die unmittelbare Patientenversorgung. Auch bei der Aus- und Weiterbildung werden die Strukturen beider Häuser miteinander verbunden. Angehende Pflegefachkräfte aus Reinbek können inzwischen Praxiseinsätze in der Akutpflege der LungenClinic absolvieren. Auch für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung wurden Rotationsmöglichkeiten geschaffen. Assistenzärztinnen und Assistenzärzte aus den Bereichen Innere Medizin und Anästhesie können zeitweise im jeweils anderen Haus eingesetzt werden. Dadurch sollen sie zusätzliche Fachgebiete und Versorgungssituationen kennenlernen.
Für die Kliniken entsteht damit ein weiterer Vorteil: Das Personal erhält Einblicke in unterschiedliche Versorgungsstrukturen, während beide Häuser von der jeweils vorhandenen Expertise profitieren.
LungenClinic als hochspezialisiertes Zentrum
Die LungenClinic Grosshansdorf ist ein offizielles Lungenzentrum des Gemeinsamen Bundesausschusses. Nach Angaben der Klinik werden jährlich rund 12.500 Patientinnen und Patienten stationär und ambulant behandelt. Zu den Schwerpunkten zählen Pneumologie, Thoraxonkologie, Palliativmedizin, Thoraxchirurgie und Anästhesie.
Die Fachklinik verfügt unter anderem über ein von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Lungenkrebszentrum sowie ein zertifiziertes Weaningzentrum. Zudem ist sie nach eigenen Angaben das einzige Exzellenzzentrum für Thoraxchirurgie in Norddeutschland mit entsprechender Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie.
Reinbek verbindet breite Versorgung mit onkologischem Schwerpunkt
Das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift verfügt aktuell über 361 Betten, perspektivisch sollen es 431 Betten sein. Zum medizinischen Spektrum gehören unter anderem Innere Medizin und Gastroenterologie, Kardiologie, Neurologie, Chirurgie, Gefäß- und Shuntchirurgie, Urologie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Onkologie. Das Krankenhaus ist als Onkologisches Zentrum der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und verfügt zusätzlich über Zertifizierungen als Viszeralonkologisches Zentrum, Brustzentrum und Gynäkologisches Krebszentrum. 2026 kam die Auszeichnung als Uroonkologisches Zentrum hinzu.
Krankenhausreform beschleunigt Spezialisierung und Kooperation
Die Entwicklung in Stormarn zeigt, wie sich die Krankenhauslandschaft zunehmend von einem Modell konkurrierender Einzelstandorte hin zu stärker vernetzten Versorgungsstrukturen entwickeln kann.
Dabei geht es nicht zwingend darum, medizinische Leistungen an einem einzigen Standort zu konzentrieren. Vielmehr können spezialisierte Leistungen gezielt gebündelt und gleichzeitig ergänzende Kompetenzen am jeweils anderen Standort verfügbar gemacht werden.
Für die LungenClinic Grosshansdorf und das Krankenhaus Reinbek bedeutet dies eine klare Arbeitsteilung: hochkomplexe thoraxchirurgische Eingriffe werden am spezialisierten Standort konzentriert, während kleinere Eingriffe und die weitere onkologische Behandlung möglichst wohnortnah in Reinbek erfolgen können.
Die Kooperation verbindet damit Spezialisierung mit regionaler Versorgung. Genau diese Kombination könnte angesichts der zunehmenden Bedeutung von Leistungsgruppen, Mindestmengen und sektorenübergreifender Versorgung künftig für weitere Klinikstandorte an Bedeutung gewinnen.
Stormarner Modell mit Signalwirkung
Die beiden Häuser bezeichnen ihre Zusammenarbeit selbst als beispielhaft für den Kreis Stormarn. Tatsächlich geht die Kooperation inzwischen deutlich über einen klassischen fachlichen Austausch hinaus. Gemeinsame Operationen, abgestimmte Patientenpfade, ärztliche Rotationen, gemeinsame Tumorkonferenzen sowie Kooperationen bei Pflegeausbildung und Weiterbildung schaffen eine zunehmend integrierte Versorgungsstruktur.
Damit zeigen LungenClinic Grosshansdorf und Krankenhaus Reinbek einen Weg auf, wie zwei benachbarte Krankenhäuser ihre unterschiedlichen Profile nutzen können, ohne sämtliche Leistungen an beiden Standorten vorzuhalten.
Die strategische Botschaft lautet damit: Spezialisierung muss nicht zwangsläufig zu einer Schwächung einzelner Standorte führen – sie kann auch durch Kooperation organisiert werden.




