Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg: Geburtshilfe in Groß-Umstadt schließt zum 30. September 2025

Bundesweite Reformen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen führen zur Zentralisierung der Leistungen

Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg haben angekündigt, die geburtshilfliche Abteilung am Standort Groß-Umstadt zum 30. September 2025 zu schließen. Die Gynäkologie-Abteilung wird weiterhin betrieben. Hintergrund sind strukturelle Veränderungen in der Geburtshilfe sowie bundesweite Reformen, die eine stärkere Zentralisierung und Bündelung von Leistungen vorsehen.

Landrat Klaus Peter Schellhaas betont: „Die Geburtshilfe in Groß-Umstadt war über Jahrzehnte ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung im östlichen Landkreis. Doch tiefgreifende strukturelle Veränderungen machen ein Festhalten an diesem Angebot vor Ort langfristig nicht verantwortbar. Es wird keinen Personalabbau bei festangestellten Mitarbeitenden geben.“

Gründe für die Schließung

  • Fehlende Kinderklinik: Groß-Umstadt verfügt über keine direkt angegliederte Kinderklinik. Im Falle von Komplikationen müssen Schwangere verlegt werden.
  • Fachkräftemangel: Zahl der Hebammen sinkt; sieben von 14 freiberuflich tätigen Beleghebammen haben gekündigt. Teure Leihhebammen wären nötig.
  • Sinkende Geburtenzahlen: 350–400 Geburten pro Jahr liegen unter der empfohlenen Mindestgrenze von 500. Neue Leitlinien stufen immer mehr Schwangerschaften als Risikoschwangerschaften ein.
  • Strukturelle Reformen: Empfehlungen des Bundes und der Fachgesellschaften zielen auf Zentralisierung und Leistungsbündelung.
  • Wirtschaftliche Lage: Jährlicher Fehlbetrag der Abteilung über eine Million Euro; Verbesserung nicht absehbar.

Betriebsleiterin Pelin Meyer und Betriebsleiter Christoph Dahmen erläutern: „Wir haben alle Optionen geprüft – von Kooperationen über Personalgewinnung bis hin zur Finanzierung. Trotz des Engagements aller Mitarbeitenden blieb nur die Schlussfolgerung: Der Standort ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht zukunftsfähig.“

Für Schwangere im Landkreis wird die Versorgung weiterhin gewährleistet. Es ist vorgesehen, dass Gebärende innerhalb von 40 Minuten die nächstgelegene Geburtsklinik erreichen können, etwa das Klinikum Darmstadt mit Neonatologie, das Alice-Hospital mit Perinatalem Schwerpunkt oder die Klinik im Odenwaldkreis. Bereits betreute Schwangere erhalten individuelle Beratung zur Wahl eines neuen Geburtsortes.

Die Betriebsleitung prüft, wie die freiwerdenden Räumlichkeiten künftig genutzt werden können. Eine mögliche Option ist die Erweiterung geriatrischer Angebote, die mit Blick auf den demografischen Wandel zunehmend an Bedeutung gewinnen. Weitere Nutzungsmöglichkeiten werden gemeinsam mit den politischen Gremien beraten.