Klinikum Kassel reagiert auf schwere Vorwürfe

GNH reagiert auf Vorwürfe zu Pathologie, abgelaufenem Stent und Chefarzt-Zielvereinbarungen – Gesundheitsamt fand beanstandete Hygienemängel bei Kontrolle nicht vor

Nach schweren Vorwürfen in einem anonymen Schreiben hat die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) mehrere Vorgänge am Klinikum Kassel bestätigt und zugleich deren Hintergründe erläutert. Wie die HNA berichtet, betreffen die Fälle unter anderem mit Madenbefall angelieferte Leichen in der Pathologie, den Einsatz eines abgelaufenen Stents sowie einzelne kritisch bewertete Formulierungen in Chefarzt-Zielvereinbarungen.

Bei den von Madenbefall betroffenen Verstorbenen handelte es sich nach Darstellung der GNH um bereits in fortgeschrittenem Verwesungszustand von externen Stellen angelieferte Leichen und nicht um im Klinikum verstorbene Patienten. Das Klinikum nimmt vorerst keine Leichen der Staatsanwaltschaft mehr auf.

Bestätigt wurde zudem ein Fall, bei dem während eines Gefäßeingriffs ein seit Ende März abgelaufener Stent verwendet wurde. Nach Darstellung des Ärztlichen Direktors bestand eine akute Gefährdung der Beindurchblutung. Der Patient habe keine Infektion entwickelt. Die GNH ließ den Vorgang extern medizinrechtlich und hygienetechnisch überprüfen und verschärfte nach eigenen Angaben das Materialmanagement.

Auch 34 Zielvereinbarungen mit Chefärzten wurden überprüft. Bei einer Handvoll Formulierungen seien konkrete Leistungsmengen enthalten gewesen, die bei strenger Auslegung kritisch bewertet werden könnten. Die betreffenden Teilziele wurden nach Angaben der GNH inzwischen angepasst.