Klinikum Gütersloh betreut über 1.000 Menschen mit Demenz

Wohnzimmer-Projekt etabliert sich als feste Säule der demenzsensiblen Versorgung

Das „Wohnzimmer-Projekt“ im Klinikum Gütersloh hat mehr als 1.000 Patientinnen und Patienten mit Demenz betreut. Das besondere Versorgungsangebot schafft während des Krankenhausaufenthalts einen geschützten Ort für Orientierung, Beschäftigung und Begegnung und wird von der Bürgerstiftung Gütersloh und der Erich und Katharina Zinkann-Stiftung finanziell unterstützt.

Das Wohnzimmer-Projekt richtet sich an Patientinnen und Patienten, die neben ihrer eigentlichen Erkrankung eine Demenzdiagnose haben. Auch Menschen mit einem Delir, also einer vorübergehenden Orientierungslosigkeit beispielsweise nach einer Narkose, können das Angebot nutzen.

Ziel ist es, die Belastungen eines Krankenhausaufenthalts für Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu reduzieren. Die ungewohnte Umgebung, wechselnde Bezugspersonen und medizinische Abläufe können bei Menschen mit Demenz erheblichen Stress auslösen. Das Wohnzimmer setzt deshalb auf eine bewusst wohnliche Gestaltung und individuelle Betreuung.

Erfahrene Pflegefachkräfte und geschulte Betreuungskräfte bieten den Patientinnen und Patienten Beschäftigung und persönliche Ansprache. Gemeinsames Spielen, Basteln, Singen und Lesen gehören ebenso zum Konzept wie Gespräche über vertraute Alltagsthemen.

Das Konzept beschränkt sich dabei nicht auf Beschäftigungsangebote. Die Gestaltung des Raumes soll gezielt Orientierung vermitteln. Eine Uhr, ein Kalender, eine speziell aufbereitete Tageszeitung und regionale Begriffe sollen vertraute Bezugspunkte schaffen.

Katja Plock, Demenz-Coach am Klinikum Gütersloh und Leiterin des Projekts, betont die Bedeutung der individuellen Begleitung. Gerade die Erfahrung und Ruhe der geschulten Betreuungskräfte ermögliche es, auf unterschiedliche Persönlichkeiten und Bedürfnisse einzugehen.

Auch die Mahlzeiten werden im Wohnzimmer eingenommen. Die ruhigere Umgebung und die zusätzliche Unterstützung sollen dazu beitragen, dass die Patientinnen und Patienten ausreichend Nahrung und Flüssigkeit aufnehmen. Gerade bei älteren Menschen kann eine ausreichende Ernährung und Flüssigkeitsversorgung während eines Krankenhausaufenthalts erheblichen Einfluss auf die Genesung haben.

Stiftungen finanzieren das Projekt

Finanziell getragen wird das Wohnzimmer-Projekt durch die Bürgerstiftung Gütersloh und die Erich und Katharina Zinkann-Stiftung. Beide Stiftungen stellen über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 223.000 Euro zur Verfügung. Davon entfallen 143.000 Euro auf die Bürgerstiftung Gütersloh und 80.000 Euro auf die Erich und Katharina Zinkann-Stiftung.

Katrin Meyer, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Gütersloh, sieht in der hohen Zahl der betreuten Patientinnen und Patienten einen Beleg für die Bedeutung des Angebots. Das Projekt soll nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, sondern auch Angehörige unterstützen und entlasten.

Für das Klinikum ist das Wohnzimmer inzwischen Teil eines umfassenderen Konzepts zur demenzsensiblen Versorgung. Ergänzt wird das Angebot unter anderem durch ein Nachtcafé und ehrenamtliche Unterstützung.

Demenzversorgung als Herausforderung für Krankenhäuser

Die zunehmende Zahl älterer und kognitiv eingeschränkter Patientinnen und Patienten stellt Krankenhäuser vor besondere organisatorische Anforderungen. Demenzsensible Strukturen können dazu beitragen, Stresssituationen zu reduzieren, die Kommunikation zu verbessern und Pflegekräfte bei der Betreuung besonders betreuungsintensiver Patientinnen und Patienten zu entlasten.

Das Gütersloher Modell zeigt dabei, dass neben medizinischen Maßnahmen auch räumliche und soziale Faktoren in die Versorgung integriert werden können. Die inzwischen mehr als 1.000 betreuten Menschen unterstreichen die praktische Bedeutung des Angebots.