Klinikum Dessau wird Partner im Netzwerk „Evidence“
Vertrauliche Spurensicherung stärkt Opferschutz bei Gewaltbetroffenen in Sachsen-Anhalt
Das Städtisches Klinikum Dessau ist ab sofort Partnerklinik im landesweiten Netzwerk „Evidence“ zur vertraulichen Spurensicherung. Damit erweitert das Haus sein Angebot im Opferschutz und ermöglicht Betroffenen von häuslicher oder sexualisierter Gewalt eine medizinisch und rechtlich gesicherte Beweissicherung – unabhängig von einer sofortigen Strafanzeige.
Ziel der Kooperation ist es, Betroffenen frühzeitig eine niedrigschwellige und zugleich rechtssichere Möglichkeit zu bieten, Spuren nach Gewalterfahrungen medizinisch dokumentieren und gerichtsmedizinisch sichern zu lassen. Die gesicherten Befunde werden vertraulich verwahrt und können zu einem späteren Zeitpunkt in ein mögliches Strafverfahren eingebracht werden. Damit soll insbesondere jenen Betroffenen geholfen werden, die sich unmittelbar nach einem Vorfall noch nicht zu einer Anzeige bei der Polizei entschließen können.
Im Rahmen der Einführung des Angebots wurden Ärztinnen und Ärzte der Zentralen Notaufnahme des Klinikums intensiv geschult. Die Fortbildung umfasste die gerichtsfeste Dokumentation von Verletzungen, die fachgerechte Spurensicherung sowie den sensiblen Umgang mit Betroffenen in psychisch belastenden Ausnahmesituationen. Geleitet wurde die Schulung von Dr. med. Carolin Richter, die als Projektkoordinatorin des Netzwerks „Evidence“ sowie als Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Halle tätig ist.
Begleitend zur Umsetzung war ein Kamerateam des MDR vor Ort, um über die Schulungen und die praktische Einführung der vertraulichen Spurensicherung zu berichten. Der entstandene Beitrag im Format MDR AKTUELL thematisiert die Bedeutung solcher Angebote für den Opferschutz und die medizinische Erstversorgung von Gewaltbetroffenen in Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Kliniken als niedrigschwellige Anlaufstellen zur Stabilisierung und Beweissicherung beitragen können, ohne Betroffene frühzeitig zu einer Anzeige zu drängen.
Das Netzwerk „Evidence“ ist ein landesweites Kooperationsprojekt unter der Koordination des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Halle. Gefördert wird es durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Ziel ist der flächendeckende Ausbau vertraulicher Spurensicherungsangebote in medizinischen Einrichtungen.
Mit der neuen Partnerschaft positioniert sich das Städtische Klinikum Dessau stärker im Bereich Opferschutz und Gewaltmedizin. Neben der akuten medizinischen Versorgung soll damit auch die strukturierte Unterstützung von Betroffenen in einer sensiblen Lebenssituation ausgebaut werden. Für die Region bedeutet dies eine zusätzliche Anlaufstelle, die medizinische Expertise mit rechtsmedizinischen Standards verbindet und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsqualität leistet.




