Kindertagesklinik in Ludwigsfelde bleibt bis 2027 erhalten
Stadt finanziert Übergangslösung mit mehr als 500.000 Euro und schafft Zeit für neue Versorgungsmodelle
Die pädiatrische Tagesklinik am Evangelisches Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow bleibt für ein weiteres Jahr bestehen. Das Diakonissenhaus Teltow und die Stadt Ludwigsfelde haben eine Vereinbarung zur Fortführung bis zum 31. Juli 2027 unterzeichnet. Die Stadt stellt dafür mehr als eine halbe Million Euro zum Defizitausgleich bereit und ermöglicht damit eine befristete Übergangslösung.
Ursprünglich war vorgesehen, den vollstationären Betrieb sowie die pädiatrische Tagesklinik am Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow zum 31. Juli 2026 einzustellen. Hintergrund sind die tiefgreifenden Veränderungen in der Krankenhausversorgung, die auch die Kinder- und Jugendmedizin betreffen. Neben der zunehmenden Ambulantisierung medizinischer Leistungen führt die Krankenhausreform zu einer stärkeren Konzentration und Bündelung medizinischer Expertise.
Durch Gespräche zwischen der Stadt Ludwigsfelde, dem Diakonissenhaus Teltow und dem Ministerium für Gesundheit des Landes Brandenburg konnte nun eine befristete Lösung gefunden werden. Die Stadtverordnetenversammlung stellte die dafür notwendigen finanziellen Mittel einstimmig bereit.
Der kaufmännische Vorstand des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin, Prof. h. c. (BUK) Hans-Ulrich Schmidt, begrüßte die Vereinbarung. Der solitäre Betrieb einer Tagesklinik sei nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des Ministeriums möglich. Die jetzt vereinbarte Fortführung verschaffe den Beteiligten damit zugleich Zeit für die Entwicklung einer langfristigen Perspektive.
Stationäre Versorgung soll regional neu organisiert werden
Für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen steht künftig das Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam als regionaler Kooperationspartner zur Verfügung. Die dortige spezialisierte Kinderklinik mit Rettungsstelle soll die stationäre und notfallmedizinische Versorgung der Region gewährleisten.
Zusätzlich ist eine telemedizinische Anbindung der Rettungsstelle des Evangelischen Krankenhauses Ludwigsfelde-Teltow an das Ernst-von-Bergmann-Klinikum geplant. Damit soll die pädiatrische Versorgung vor Ort unterstützt und die medizinische Expertise des regionalen Kooperationspartners auch digital verfügbar gemacht werden.
Die kommenden zwölf Monate sollen genutzt werden, um verschiedene Versorgungsmodelle für Kinder und Jugendliche in Ludwigsfelde und der umliegenden Region zu prüfen. Im Mittelpunkt stehen dabei eine Stärkung der ambulanten kinderärztlichen Versorgung, eine verlässliche stationäre Versorgung sowie eine sichere Notfallversorgung.
Der Erste Beigeordnete der Stadt Ludwigsfelde, Paul Niepalla, sieht in der Übergangslösung vor allem einen zeitlichen Gewinn. Die Vereinbarung ermögliche es, gemeinsam tragfähige Lösungen für die zukünftige medizinische Betreuung zu entwickeln und unterschiedliche Versorgungsmodelle zu erproben.
Tagesklinik verfügt über zehn Behandlungsplätze
Die pädiatrische Tagesklinik ist montags bis freitags von 8.00 bis 16.30 Uhr geöffnet und verfügt über zehn Behandlungsplätze. Die fachärztliche Betreuung übernimmt weiterhin der bisherige Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. med. Georg Reinholz.
Das Angebot richtet sich ausschließlich an Kinder und Jugendliche, die eine tagesklinische Behandlung von mindestens sechs Stunden benötigen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Gastroskopien und Koloskopien unter Sedierung, Infusionstherapien sowie Hyposensibilisierungen. Eine reguläre ambulante Behandlung, beispielsweise bei Infekten, ist nicht vorgesehen. Ebenso werden keine Patientinnen und Patienten aufgenommen, bei denen eine Behandlung von mehr als acht Stunden erforderlich ist.
Die Fortführung der Tagesklinik bis Juli 2027 stellt damit keine dauerhafte Bestandsgarantie dar. Vielmehr soll die Übergangsfinanzierung den Beteiligten Zeit geben, die regionale Kinder- und Jugendmedizin unter den veränderten Rahmenbedingungen neu zu organisieren. Für das Krankenhausmanagement steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie ambulante, tagesklinische, stationäre und notfallmedizinische Strukturen künftig miteinander verbunden werden können.




