Kinderschutzambulanz am Klinikum Frankfurt (Oder) eröffnet

Vierte spezialisierte Einrichtung in Brandenburg stärkt medizinische Abklärung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Brandenburg baut die Strukturen im Kinderschutz weiter aus. Wie das Ministerium für Gesundheit des Landes Brandenburg mitteilt, hat Gesundheitsminister René Wilke am Klinikum Frankfurt (Oder) die landesweit vierte Kinderschutzambulanz (KIA) eröffnet. Die spezialisierte Einrichtung soll künftig Kinder und Jugendliche bei Verdacht auf Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch medizinisch untersuchen und die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe stärken.

Neben Frankfurt (Oder) bestehen bereits Kinderschutzambulanzen in Potsdam, Eberswalde und Lauchhammer. Weitere Standorte in Neuruppin und Cottbus sollen noch im Jahr 2026 folgen.

Kinderschutzambulanzen sind spezialisierte Anlaufstellen für Fälle, in denen eine Gefährdung des Kindeswohls vermutet wird. Die Einrichtungen verbinden medizinische Diagnostik mit der fachlichen Zusammenarbeit von Jugendämtern und weiteren beteiligten Institutionen. Zu den zentralen Aufgaben gehören ambulante medizinische Untersuchungen bei Verdacht auf körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt sowie bei Anzeichen von Vernachlässigung. Zudem dokumentieren die Fachkräfte mögliche Verletzungen fachgerecht und schaffen damit eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit von Jugendämtern, Polizei und Gerichten. Darüber hinaus beraten die Ambulanzen auch Schulen, Kindertagesstätten, Behörden und andere Einrichtungen im Umgang mit Verdachtsfällen.

Gesundheitsminister René Wilke betonte bei der Eröffnung die Bedeutung der neuen Struktur: „Wo immer der Verdacht besteht, dass das Wohl von Kindern gefährdet ist, dass ihnen Gewalt angetan wird oder dass sie vernachlässigt werden, ist schnellstmögliche Klärung gefragt. Dafür braucht es medizinische Expertise ebenso wie jene von den Jugendämtern, die in den Kinderschutzambulanzen fachlich eng zusammenarbeiten.“

Klinikum Frankfurt (Oder) übernimmt regionale Verantwortung

Das Klinikum Frankfurt (Oder) übernimmt mit der neuen Kinderschutzambulanz eine zentrale Rolle für die Region Oder/Spree sowie Märkisch-Oderland.

„Das Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) ist als Maximalversorger für sein Versorgungsgebiet auch im Bereich der Kinderversorgung mit seiner hohen Fachexpertise in der Kinder- und Jugendmedizin wie auch Kinder- und Jugendpsychiatrie fest verankert“, erklärt Geschäftsführer Christian Petersen.

Die medizinische Leitung übernehmen Dr. Andrea Hüfner, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie PD Dr. Malte Cremer, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

„Mit der Kinderschutzambulanz schaffen wir einen geschützten Ort für Kinder und Jugendliche, bei denen der Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch besteht“, erklären die beiden Chefärzte. Ziel sei es, betroffene Kinder frühzeitig medizinisch zu versorgen, Spuren fachgerecht zu sichern und gemeinsam mit den Jugendämtern schnell und verantwortungsvoll zu handeln.

Zahl der Verfahren zur Kindeswohlgefährdung steigt

Der Ausbau der Kinderschutzstrukturen erfolgt vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums Brandenburg führten die Jugendämter des Landes im Jahr 2024 insgesamt 8.501 Verfahren zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung durch. Das entspricht einem Anstieg von rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In 3.270 Fällen wurde eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. Besonders häufig waren Vernachlässigungen betroffen. In 2.192 Fällen wurden entsprechende Hinweise festgestellt. Zudem gab es 741 Fälle mit Anzeichen körperlicher Misshandlung und 1.165 Fälle psychischer Misshandlung. In 200 Fällen wurde sexuelle Gewalt festgestellt.

Auch in Frankfurt (Oder) ist der Bedarf an medizinischer Einschätzung gestiegen. Die Zahl der Verfahren zur medizinischen Begutachtung bei möglichen Kindeswohlgefährdungen erhöhte sich nach Angaben des Ministeriums von 220 Fällen im Jahr 2022 auf 399 Fälle im vergangenen Jahr. Im Landkreis Oder-Spree stieg die Zahl gemeldeter Verdachtsfälle von 1.022 im Jahr 2021 auf 1.321 im vergangenen Jahr.

Anschubfinanzierung durch Land Brandenburg

Die Einrichtung der Kinderschutzambulanzen in Brandenburg wurde durch eine gemeinsame Anschubfinanzierung des Gesundheits- und Jugendministeriums aus Lottomitteln unterstützt. Insgesamt stellte das Land hierfür 170.000 Euro bereit. Gesundheitsminister Wilke verwies zugleich darauf, dass für eine langfristige Sicherung der Einrichtungen eine verlässliche Finanzierung erforderlich sei. Die Landesregierung arbeite daran, die Strukturen dauerhaft zukunftsfest aufzustellen.

Mit der neuen Kinderschutzambulanz am Klinikum Frankfurt (Oder) erweitert Brandenburg sein Netzwerk spezialisierter medizinischer Angebote und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, Jugendämtern und weiteren Akteuren im Kinderschutz.

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