Helios Klinikum Erfurt: Pflegekräfte übernehmen immer mehr Servicetätigkeiten

Fehlanreize im Pflegebudget belasten Personal und Beitragszahler

Im Helios Klinikum Erfurt wachse der Unmut: Pflegekräfte müssen zunehmend Aufgaben wie Betten reinigen, Patiententransporte oder Essensaufnahme übernehmen – Tätigkeiten, die früher von Servicepersonal erledigt wurden. Hintergrund ist das Pflegebudget, das seit 2020 die Refinanzierung von Pflegekräften über die Krankenkassen ermöglicht. Krankenhäuser sparen so Kosten für Servicekräfte, indem sie Tätigkeiten auf das refinanzierte Pflegepersonal verlagern.

Recherchen von MDR Thüringen zeigen, dass Helios seit Herbst 2023 mindestens 55 Servicekräfte abgebaut und ihre Aufgaben in die Pflege verschoben hat. Ehemalige Servicemitarbeiter wurden teilweise vor die Wahl gestellt: Kündigung oder Umschulung zu Krankenpflegehelfern (KPH). Diese KPH übernehmen anschließend dieselben Servicetätigkeiten – nun allerdings refinanziert über die Krankenkassen.

Das Klinikum spreche von einem „Skill-Mix“ und verteidigt das Vorgehen als unternehmerische Entscheidung. Kritiker sehen hingegen eine deutliche Überlastung der Pflege und eine „Doppelfinanzierung zulasten der Versicherten“. Auch das Thüringer Gesundheitsministerium fordert inzwischen eine Anpassung des Gesetzes.

Helios ist dabei kein Einzelfall: Auch andere Thüringer Kliniken lagern Serviceaufgaben in die Pflege aus. Nur kommunale Häuser wie das Uniklinikum Jena oder die Ilm-Kreis-Kliniken setzen bewusst auf eigene Servicedienste, um Pflegekräfte zu entlasten.