Heilig-Geist-Hospital Bingen wird zur Regioklinik

Stadt und Landkreis sichern Finanzierung – ab September Konzentration auf Innere Medizin und Geriatrie mit rund 50 Betten

Für das insolvente Heilig-Geist-Hospital Bingen zeichnet sich eine Zukunft als deutlich kleinere Regioklinik ab. Insolvenzverwaltung, Stadt Bingen und Landkreis Mainz-Bingen haben sich auf ein Finanzierungskonzept verständigt, das die stationäre Grundversorgung am Standort langfristig sichern soll. Bereits zum 1. September 2026 soll die Neuausrichtung mit Schwerpunkt auf Innerer Medizin und Geriatrie beginnen.

Das seit Mai 2026 im Regelinsolvenzverfahren befindliche Heilig-Geist-Hospital soll damit als Krankenhausstandort erhalten bleiben. Allerdings wird das bisherige Leistungsspektrum an den künftig erwarteten regionalen Versorgungsbedarf und die wirtschaftlichen Möglichkeiten der kommunalen Träger angepasst.

Nach den aktuellen Planungen soll die Regioklinik künftig über rund 50 Betten verfügen. Bislang verfügt das Krankenhaus der Grundversorgung über 88 belegbare Betten.

Den medizinischen Schwerpunkt bilden künftig die Innere Medizin und die Geriatrie. Gleichzeitig sollen sämtliche ambulanten Angebote des zum Krankenhaus gehörenden Medizinischen Versorgungszentrums fortgeführt werden.

Kommunen müssen Regioklinik finanziell unterstützen

Entscheidend für die Fortführung ist die Verständigung über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für eine festgelegte Übergangsphase sind nach Angaben der Beteiligten erhebliche Unterstützungsleistungen der bisherigen Gesellschafter vorgesehen. Auch darüber hinaus werde voraussichtlich eine finanzielle Unterstützung notwendig bleiben. Parallel soll geprüft werden, welche zusätzlichen Fördermöglichkeiten des Landes Rheinland-Pfalz genutzt werden können. Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit Rheinland-Pfalz habe bereits signalisiert, die geplante medizinische Ausrichtung zu unterstützen.

Insolvenzverwalter Jens Lieser von LIESER Rechtsanwälte sieht in dem Konzept eine langfristig tragfähige Perspektive für den Standort. Nach Einschätzung der Beteiligten bietet die Umwandlung in eine Regioklinik die Möglichkeit, regionale Versorgung und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander zu verbinden.

Insolvenz seit Mai 2026

Das Heilig-Geist-Hospital sowie seine Tochtergesellschaften für MVZ und Service befinden sich seit Mai 2026 im Regelinsolvenzverfahren. Als Ursachen werden eine angespannte Finanzlage, Kostensteigerungen und nicht ausreichend refinanzierte Versorgungsleistungen genannt.

Zusätzliche Belastungen entstanden demnach durch notwendige Investitionen in die IT-Infrastruktur und den Aufbau eigener Strukturen nach der Herauslösung aus der vorherigen Konzernorganisation. Auch der Veränderungsdruck durch die Krankenhausreform wird als Faktor genannt.

In Krankenhaus, MVZ und Servicegesellschaft sind insgesamt rund 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Die nun vereinbarte Restrukturierung soll den Krankenhausstandort erhalten, gleichzeitig aber Kapazitäten und Leistungsportfolio an den erwarteten Bedarf anpassen. Die Beschäftigten wurden am 20. August über die Planungen informiert.