Dresden: Uniklinikum, Medizinische Fakultät und Herzzentrum setzen auf Kooperationen
Angesichts von Fachkräftemangel, Kostendruck und demografischem Wandel soll die medizinische Versorgung in Sachsen stärker über Klinik- und Sektorengrenzen hinweg organisiert werden
Beim ersten gemeinsamen Sommerempfang von Universitätsklinikum Dresden, Medizinischer Fakultät der TU Dresden und Herzzentrum Dresden standen neue Versorgungsstrukturen, Kooperationen und der Transfer von Forschung in die Patientenversorgung im Mittelpunkt.
Unter dem Motto „Gesundheit vernetzen. Innovation leben. Zukunft gestalten.“ haben Vertreter aus Medizin, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft am 21. August 2026 in Dresden über die künftige Gesundheitsversorgung in Sachsen diskutiert. Gastgeber waren erstmals gemeinsam das Universitätsklinikum Dresden, die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und das Herzzentrum Dresden.
Im Zentrum steht die Frage, wie medizinische Versorgung sowohl in den Ballungszentren als auch im ländlichen Raum langfristig erreichbar und leistungsfähig bleiben kann. Die Hochschulmedizin sieht dabei eine stärkere Vernetzung und gemeinsame Nutzung vorhandener Ressourcen als wesentlichen Baustein.
Kliniken sollen Versorgung stärker gemeinsam organisieren
Nach Vorstellung der Dresdner Einrichtungen werden Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Prävention künftig stärker als gemeinsame Aufgabe unterschiedlicher Akteure verstanden werden müssen. Spezialisierung und Kooperation sollen dabei miteinander verbunden werden.
Entsprechende Strukturen bestehen bereits. So arbeiten das Universitätsklinikum Dresden und das Herzzentrum Dresden bei der Versorgung kardiologischer Erkrankungen eng zusammen. Kooperationen des Universitätsklinikums mit Krankenhäusern in der Region gibt es zudem in der Geriatrie, Viszeralchirurgie und Orthopädie.
„Gemeinsam wollen wir helfen, tragfähige Strukturen der Zusammenarbeit für ganz Sachsen zu entwickeln“, erklärte Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden. Die zunehmende Spezialisierung von Diagnostik und Therapie erfordere eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit mit den weiteren Akteuren der regionalen Versorgung.
Damit gewinnt die Rolle der Universitätsmedizin innerhalb regionaler Versorgungsnetzwerke weiter an Bedeutung. Neben hochspezialisierter Medizin sollen Wissen, Expertise und Innovationen über Kooperationen auch für andere Versorgungsstandorte nutzbar werden.
Forschung und medizinische Versorgung enger verzahnen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbindung von Forschung, Lehre und klinischer Versorgung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert seit 2026 beispielsweise eine Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät, die im Projekt ETNA Strategien zur Steuerung von Immunreaktionen nach einem Herzinfarkt entwickelt.
Gemeinsam mit dem Herzzentrum Dresden sollen daraus neue Ansätze für die Behandlung kardiologischer Patienten entstehen.
Auch die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses soll stärker mit den Herausforderungen der regionalen Versorgung verbunden werden. Dekanin Prof. Esther Troost verweist dabei unter anderem auf den Modellstudiengang MEDiC in Kooperation mit dem Klinikum Chemnitz, der den ländlichen Raum gezielt einbezieht.
Darüber hinaus setzt die Medizinische Fakultät auf internationale Kooperationen und Austauschprogramme, unter anderem mit Partnerinstitutionen in London und Zürich.
Neues Herzzentrum für rund 300 Millionen Euro
Eine zentrale Investition in den Gesundheitsstandort Dresden ist das geplante neue Herzzentrum. Bis 2029 soll nach Angaben der Beteiligten eines der modernsten Herzzentren Europas entstehen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezifferte das Investitionsvolumen auf insgesamt rund 300 Millionen Euro. Weitere rund 20 Millionen Euro investiert der Freistaat nach seinen Angaben in die Außenstelle des Deutschen Krebsforschungszentrums.
Herzzentrum-Geschäftsführer Oliver Wehner sieht insbesondere in der Verbindung von Spitzenmedizin, Forschung und klinischer Erfahrung weiteres Potenzial. Gemeinsam mit Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät solle Sachsen als Standort moderner Herzmedizin weiter gestärkt werden.
Landtagspräsident Alexander Dierks hob zugleich die Bedeutung der Vernetzung für die Versorgung außerhalb der großen Zentren hervor. Kooperationen zwischen Krankenhäusern könnten dazu beitragen, Wissen, Erfahrung und Innovation aus der Spitzenmedizin auch in der Fläche verfügbar zu machen.




