Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden beschließt Konzept zur wirtschaftlichen Sanierung

Abbau von rund 200 Stellen. Standorte Rastatt und Baden-Baden bleiben Akutkliniken mit eigener Notfallversorgung – Leistungen aus Bühl werden zum Jahresende auf beide Standorte verteilt

Das Klinikum Mittelbaden setzt sein Sanierungskonzept um und will seine Personalkapazitäten um eine Größenordnung von rund 200 Beschäftigten reduzieren. Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat die künftige medizinische Struktur konkretisiert: Rastatt und Baden-Baden bleiben Akutkliniken mit jeweils eigener Notfallversorgung, während der Standort Bühl zum 31. Dezember 2026 geschlossen und dessen Leistungen auf die beiden verbleibenden Standorte verteilt werden.

Der Aufsichtsrat des Klinikums Mittelbaden hat das Konzept zur wirtschaftlichen Stabilisierung am 23. September beschlossen und die Geschäftsführung mit der Umsetzung beauftragt. Eine weitere Beschlussfassung durch den Landkreis Rastatt oder den Stadtkreis Baden-Baden ist nach Angaben des Klinikums für die beschlossenen Maßnahmen nicht erforderlich.

Leistungen aus Bühl werden auf Rastatt und Baden-Baden verteilt

Mit der zum Jahresende bereits beschlossenen Schließung des Standorts Bühl wird die stationäre und notfallmedizinische Versorgung künftig auf die beiden Akutstandorte Rastatt und Baden-Baden konzentriert. Beide Häuser behalten eine eigene Notfallversorgung.

Die bisher in Bühl angesiedelte Altersmedizin wechselt nach Baden-Baden, während Schmerz- und Sportmedizin künftig in Rastatt angeboten werden. Auch Kardiologie und Angiologie werden in Rastatt gebündelt. Die Orthopädie konzentriert dort die Knie- und Hüftendoprothetik im Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung.

Die Traumatologie bleibt dagegen mit dem Regionalen Traumazentrum schwerpunktmäßig in Baden-Baden.

Auch das ambulante Operieren wird neu verteilt. Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Knieoperationen werden in Rastatt gebündelt. Handchirurgie, HNO, Unfallchirurgie und Urologie sollen in Baden-Baden konzentriert werden.

Mit dieser Aufteilung will das Klinikum Doppelstrukturen reduzieren und Personal sowie vorhandene Ressourcen gezielter einsetzen.

Rund 200 Beschäftigte von Personalanpassungen betroffen

Die wirtschaftliche Konsolidierung umfasst auch eine Reduzierung der Personalkapazitäten. Nach aktuellem Planungsstand betrifft dies eine Größenordnung von rund 200 Beschäftigten.

Ein wesentlicher Teil soll nach Angaben des Klinikums über natürliche Fluktuation und weitere sozialverträgliche Instrumente aufgefangen werden. Betriebsbedingte Kündigungen sollen auf das notwendige Maß begrenzt werden. Die konkrete Umsetzung soll mit dem Betriebsrat abgestimmt werden.

Parallel setzt das Klinikum seine bereits begonnenen Konsolidierungsmaßnahmen fort. Dazu gehören ein verstärktes Erlös- und Sachbedarfsmanagement, Struktur- und Prozessverbesserungen, eine weitere Digitalisierung sowie die Umsetzung der Immobilienstrategie.

Für förderfähige Kosten im Zusammenhang mit Standortschließungen und dem Abbau von Doppelstrukturen sollen zudem Mittel aus dem Krankenhaustransformationsfonds beantragt werden.

Sanierungsexpertise soll Geschäftsführung verstärken

Auch in der Geschäftsführung stehen Veränderungen an. Der Medizinische Geschäftsführer Priv.-Doz. Dr. Thomas Iber zieht sich zum 28. Februar 2027 aus der Geschäftsführung zurück und konzentriert sich anschließend vollständig auf seine Tätigkeit als Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

Der Kaufmännische Geschäftsführer Felix Brenneisen übernimmt zusätzliche Zuständigkeiten, unter anderem für die Medizinischen Versorgungszentren.

Zusätzlich soll zeitnah eine temporäre Geschäftsführungsposition mit Schwerpunkt Sanierung und Restrukturierung ausgeschrieben werden. Die medizinische Perspektive innerhalb der Unternehmensführung soll durch einen medizinischen Beirat gestärkt werden.

Der Aufsichtsrat hat außerdem dem Verkauf der Klinikimmobilie in Bühl an die Stadt Bühl zugestimmt. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt einer entsprechenden Entscheidung der Stadt.