Patientenportale sollen enger mit KIS und ePA verzahnt werden
gematik-Arbeitskreis empfiehlt verbindliche Standards, offene Schnittstellen und durchgängige digitale Prozesse zwischen Patientenportal, KIS und elektronischer Patientenakte
Patientenportale der Krankenhäuser sollen künftig stärker mit Primärsystemen und der elektronischen Patientenakte (ePA) verzahnt werden. Ein Arbeitskreis des gematik-Kompetenzzentrums für Interoperabilität hat dazu Handlungsempfehlungen vorgelegt. Ziel sind ein standardisierter Datenaustausch und durchgängige digitale Prozesse von der Einweisung bis zur Nachversorgung.
Hintergrund ist die zunehmende Verbreitung einrichtungsspezifischer Patientenportale infolge des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) und der Digitalisierungsanforderungen. Nach Einschätzung des Arbeitskreises überschneiden sich deren Funktionen und Inhalte teilweise mit der bundesweiten ePA. Bislang fehle jedoch eine einheitliche Definition, wie der Datenaustausch zwischen Patientenportalen, KIS beziehungsweise anderen Primärsystemen und der ePA gestaltet werden soll.
- Positionspapier: Patientenportale im Zusammenspiel mit Primärsystemen und ePA (PDF, 747 kB)
- Handlungsempfehlung nach Zielgruppe (PDF, 140 kB)
Offene Schnittstellen und weniger doppelte Datenhaltung
Der Arbeitskreis empfiehlt deshalb verbindliche Interoperabilitätsstandards, offene Schnittstellen und Datenportabilität. Perspektivisch soll klarer festgelegt werden, welche administrativen und klinischen Prozesse von Patientenportal, ePA und Primärsystem unterstützt werden und welche Daten jeweils dort geführt werden.
Ein Ziel ist dabei, doppelte Datenhaltung in unterschiedlichen Systemen zu reduzieren. Die Empfehlungen richten sich unter anderem an das Bundesgesundheitsministerium, die gematik, Anbieter von Patientenportalen, KIS-Hersteller sowie Krankenhäuser und andere Leistungserbringer.
Gesundheits-ID soll Zugang zu Patientenportalen vereinheitlichen
Eine weitere Empfehlung betrifft die digitale Identität. Die Gesundheits-ID soll stärker genutzt und perspektivisch mit der europäischen EUDI-Wallet zusammengedacht werden. Damit könnten einrichtungsspezifische Identitätslösungen langfristig reduziert und Zugänge zu digitalen Versorgungsangeboten vereinheitlicht werden.
Patientenportale und ePA sollen zugleich so miteinander verbunden werden, dass relevante Gesundheitsinformationen frühzeitig für Behandlungsprozesse verfügbar werden. Vorgesehen ist außerdem eine patientenzentrierte Infrastruktur mit strukturierten Gesundheitsdaten, Consent-Management sowie sektorübergreifenden Termin- und Kommunikationsdiensten.
Digitalisierung soll gesamten Behandlungspfad abbilden
Der Arbeitskreis betrachtet Patientenportale damit nicht als isolierte Krankenhausanwendung. Digitale Prozesse sollen vielmehr von der Einweisung und Terminvereinbarung über Aufnahme und Behandlung bis zur Entlassung und Nachversorgung medienbruchfrei gestaltet werden.
Als Ergebnis seiner Arbeit sieht der Arbeitskreis neben dem Zielbild für Prozesse, Inhalte und Standards auch eine Roadmap mit Vorschlägen für Kennzahlen, Verantwortlichkeiten und Umsetzungszeiträume vor. Der Arbeitskreis lief von Februar bis Juni 2026 und ist inzwischen abgeschlossen. Die gematik weist allerdings darauf hin, dass die veröffentlichten Handlungsempfehlungen noch unter dem Vorbehalt abschließender Anpassungen stehen.




