Niedersachsen führt digitale Geburtsanzeige nach „Kieler Modell“ ein

Erstmals vollständig elektronischer Meldeweg zwischen Klinik und Standesamt 

Niedersachsen übernimmt als erstes Bundesland das sogenannte „Kieler Modell“ und führt damit die digitale Geburtsanzeige landesweit ein. Das Verfahren, das gemeinsam mit der Landeshauptstadt Kiel entwickelt wurde, ermöglicht erstmals einen vollständig elektronischen Austausch zwischen Krankenhaus und Standesamt. Die technische Grundlage stammt vom Berliner Unternehmen Vertama, das auf digitale Verwaltungs- und Meldeprozesse spezialisiert ist.

Die digitale Geburtsanzeige modernisiert einen Meldeweg, dessen Grundstruktur seit 1876 nahezu unverändert geblieben ist. Schon damals legte das Personenstandsgesetz des Deutschen Reichs fest, dass jede Geburt zeitnah dem Standesamt zu melden ist – damals ausschließlich schriftlich, per Formular und Botenweg. Die heute digitalisierte Prozesskette umfasst weiterhin dieselben Schritte: Dokumentation der Geburt, Erstellung der Anzeige, Übermittlung, standesamtliche Prüfung und anschließende Beurkundung. Nur der technische Transportweg wurde neu gedacht und vollständig digitalisiert.

Pilotlösung aus Kiel wird niedersächsischer Standard

Das „Kieler Modell“ entstand ohne externe Förderung und wurde vollständig aus Eigenmitteln konzipiert, entwickelt und implementiert. Vertama hatte den Bedarf aus dem klinischen Alltag erkannt: Papiergebundene Abläufe, hoher Personalaufwand und manuelle Übertragungsfehler führten regelmäßig zu Verzögerungen. Die digitale Lösung soll nun „einen reibungslosen, zeitgemäßen und effizienten Prozess ermöglichen“, indem sie Kliniken und Standesämter gleichermaßen entlastet.

Mit dem Start des Echtbetriebs im KRH Hannover wird auch das erste vollständig digital gemeldete Baby aus Niedersachsen kommen – ein bewusstes Signal für moderne Verwaltungsprozesse und den Aufbruch in ein digitalisiertes Personenstandswesen.

Sichere Übermittlung und schnellere Urkunden

Die technische Übermittlung erfolgt über die gesicherte behördliche Infrastruktur von GovConnect. Damit wird ein standardisierter und medienbruchfreier Kommunikationsweg gewährleistet, der den Anforderungen des Personenstandswesens entspricht. Für Standesämter bedeutet die Digitalisierung eine spürbare Prozessbeschleunigung: Die strukturierte und vollständige Ankunft der Daten macht das manuelle Abtippen überflüssig. Die Anzeige kann unmittelbar geprüft und in die elektronische Geburtenakte übernommen werden. Für Eltern verkürzt sich dadurch die Wartezeit auf Geburtsurkunden deutlich.

Elektronische Signatur ersetzt Papierformulare

In der Klinik werden nach der Geburt alle medizinischen und verwaltungsrelevanten Daten zusammengeführt und von einer autorisierten Person qualifiziert elektronisch signiert. Die verschlüsselte Übermittlung ans zuständige Standesamt ersetzt erstmals vollständig die traditionelle Papierform. Nach Prüfung der Signatur und Daten wird die Geburt wie bisher eingetragen und die Urkunden werden ausgestellt – nur schneller, effizienter und ohne Medienbrüche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert