HemaGuide erreicht bis zu 83 Prozent Übereinstimmung mit Tumorboards

KI-System unterstützt Therapieentscheidungen bei Blutkrebs und wertet auch molekulare Befunde aus – klinische Studie zum Patientennutzen ist geplant

Forschende aus Heidelberg haben mit „HemaGuide“ ein KI-basiertes System zur Unterstützung komplexer Therapieentscheidungen bei Blutkrebserkrankungen entwickelt. Bei der Prüfung an 555 Tumorboard-Fällen eines unabhängigen Universitätsklinikums stimmten die Empfehlungen in fast 82 Prozent der Fälle mit den Entscheidungen der Expertengremien überein. In einer einmonatigen prospektiven Testphase waren es knapp 83 Prozent.

Entwickelt wurde HemaGuide von Forschenden des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Stammzellinstituts HI-STEM und der Medizinischen Fakultät Heidelberg am Universitätsklinikum Heidelberg.

Arztbriefe, Leitlinien und mehr als 2.000 Tumorboard-Fälle

Das System analysiert unstrukturierte Arztbriefe und verbindet die daraus gewonnenen Informationen mit aktuellen Behandlungsleitlinien, Fachliteratur sowie einer Datenbank aus mehr als 2.000 realen Tumorboard-Fällen. Daraus erstellt HemaGuide eine Therapieempfehlung einschließlich Begründung.

Auch genetische Veränderungen eines Tumors können bewertet werden. Die molekulare Analyse benötigt nach Angaben der Forschenden im Durchschnitt weniger als eine Minute. In den Tests wurde keine eindeutig krebstreibende Veränderung fälschlicherweise als harmlos eingestuft.

Ein weiterer für Kliniken relevanter Aspekt: HemaGuide kann vollständig auf lokalen Krankenhausservern betrieben werden, sodass sensible Patientendaten das Krankenhaus nicht verlassen müssen.

Das Forschungsteam betont, dass das System die ärztliche Entscheidung nicht ersetzen soll. Ob HemaGuide langfristig auch die Behandlungsqualität und Patientenergebnisse verbessert, soll nun in einer klinischen Studie untersucht werden.