Charité führt eigene KI-Plattform für rund 24.000 Beschäftigte ein

„Clé“ läuft vollständig auf Charité-Infrastruktur und bündelt Sprach- und Bildmodelle – nach der Testphase beginnt der klinikweite Roll-out für Versorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin führt mit „Clé“ eine eigene KI-Plattform für ihre Beschäftigten ein. Sprach- und Bildmodelle sowie interne Dokumente können auf Charité-eigener Infrastruktur verarbeitet werden, ohne dass die Daten dafür an externe KI-Anbieter übermittelt werden. Nach einer Testphase wird der Zugang nun schrittweise ausgeweitet; perspektivisch sollen auch KI-Agenten an interne Systeme angebunden werden.

Die Plattform soll eine gemeinsame technische Basis für KI-Anwendungen in Krankenversorgung, Forschung, Lehre und Verwaltung schaffen. Dafür kombiniert Clé mehrere austauschbare KI-Modelle mit einer Chat-Oberfläche, der Verarbeitung von Texten, Bildern und PDF-Dokumenten sowie eigenen Wissenssammlungen.

Über Programmierschnittstellen können Fachbereiche und Forschende die Modelle zudem in eigene Anwendungen und Arbeitsabläufe integrieren. Einheitliche Anmeldung, technische Schutzmechanismen und eine Protokollierung der Nutzung sollen dabei zentrale Sicherheitsstandards gewährleisten.

Gesundheits- und Unternehmensdaten bleiben auf eigener Infrastruktur

Ein wesentlicher Unterschied zu öffentlich verfügbaren KI-Diensten ist der Betrieb auf Servern der Charité. Mitarbeitende können dadurch nach Angaben der Universitätsmedizin mit internen Dokumenten und dienstlichen Informationen arbeiten, ohne diese an externe Anbieter zu übertragen.

Begleitet wird die technische Infrastruktur durch verpflichtende Schulungen, Nutzungsregeln sowie Vorgaben zu Datenschutz und Informationssicherheit. Die Charité bezeichnet Clé nach eigenem Kenntnisstand als erste Plattform dieser Art an einer deutschen Universitätsmedizin, die mehrere Sprach- und Bildmodelle vollständig auf eigener Infrastruktur und organisationsweit bereitstellt.

Für die Krankenversorgung ist die Plattform zunächst für klinisch-administrative Aufgaben vorgesehen, beispielsweise zur Strukturierung von Dokumenten oder Aufbereitung von Informationen. Clé ist ausdrücklich kein Medizinprodukt und in der derzeit freigegebenen Form nicht für Diagnosen oder Therapieentscheidungen vorgesehen. KI-generierte Ergebnisse müssen von den Anwendern fachlich geprüft werden.

Pilotprojekt reduziert Dokumentenverarbeitung von 30 auf zwei Minuten

Konkrete Einsatzmöglichkeiten sieht die Charité auch im Erlös- und Personalmanagement, bei Wissensdatenbanken, Übersetzungen, Formularauswertungen und im IT-Support.

In einem Pilotprojekt wurde nach Angaben der Charité die Bearbeitungszeit für die Umwandlung eines Dokuments in strukturierte Daten von durchschnittlich 30 auf zwei Minuten reduziert. Bei 1.800 Dokumenten habe dies rechnerisch einer Einsparung von 105 Arbeitstagen entsprochen.

Auch Forschende können über Schnittstellen eigene Anwendungen entwickeln oder größere Text- und Dokumentenbestände analysieren. Gleichzeitig soll die Plattform genutzt werden, um den sicheren und effektiven Einsatz von Sprachmodellen in der Medizin wissenschaftlich zu untersuchen.

Nächste Stufe sieht KI-Agenten mit Systemzugriff vor

Die technische Architektur ist bereits auf weitergehende KI-Agenten ausgelegt. Diese sollen künftig mehrstufige Aufgaben bearbeiten können, beispielsweise Dokumente auswerten, Informationen zusammenführen und analysieren oder Entwürfe vorbereiten.

In weiteren Ausbaustufen sollen solche Agenten in einer abgesicherten Umgebung schrittweise an Charité-Systeme angebunden werden. Die Kontrolle über Daten und Prozesse soll dabei innerhalb der Universitätsmedizin verbleiben.

Entwickelt wurde Clé von der Ascléa GmbH, einer Ausgründung von Charité und Deutschem Herzzentrum der Charité. Der Betrieb erfolgt gemeinsam mit dem Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin und dem Geschäftsbereich IT auf Charité-eigener Infrastruktur. Die Universitätsmedizin weist zugleich auf wirtschaftliche Verflechtungen hin: Plattform-Initiator Prof. Alexander Meyer ist Mitgründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Ascléa; die Charité ist über ihre Technologietransfer-Partnerin Ascenion an dem Unternehmen beteiligt. Nach Angaben der Charité nutzt sie Clé unentgeltlich und leistet keine Zahlungen an Ascléa.