Rödl & Partner: Wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser verschlechtert sich dramatisch
Immer mehr Kliniken rutschen in die Verlustzone – Träger stoßen an finanzielle und rechtliche Grenzen
Die wirtschaftliche Situation deutscher Krankenhäuser hat sich 2023 weiter zugespitzt. Wie Rödl & Partner berichtet, verzeichnet fast jedes zweite Krankenhaus ein negatives Jahresergebnis, während zentrale Kennzahlen erstmals in den roten Bereich fallen. So sinkt die EAT-Marge im Branchendurchschnitt auf 0,2 Prozent, die Umsatzrendite sogar auf –0,2 Prozent. Zugleich gehen die meisten Häuser für 2024 von einer weiteren Verschlechterung der Lage aus.
Um operative Verluste auszugleichen, greifen viele Kliniken verstärkt auf finanzielle Unterstützung ihrer öffentlichen Träger zurück. Laut Analyse erhielten bereits „42 % der Krankenhäuser 2023 finanzielle Unterstützung von ihrem Träger, um Liquiditäts- und Insolvenzrisiken abzumildern“. Diese Zuschüsse stoßen jedoch zunehmend an rechtliche, beihilferechtliche und haushalterische Grenzen. Auch kommunale Träger sind selbst häufig unterfinanziert, was Spielräume für Defizitausgleiche weiter einschränkt.
Die Autoren Alexandra Oliveira Faria und Tobias de Koster betonen, dass das „Wie des Erhalts der Versorgungsstruktur […] noch nie so ergebnisoffen wie heute“ gewesen sei. Politisch akzeptierte Maßnahmen verschieben sich zunehmend: Investitionen wandern verstärkt auf den Kapitalmarkt, Trägerzuschüsse bleiben unterhalb des Notwendigen, Investitionen werden aufgeschoben, und sogar Sanierungen oder Insolvenzen rücken als strategische Optionen in den Fokus. In einigen Fällen wird die gesamte regionale Versorgungsstruktur neu bewertet.
Parallel dazu verschlechtert sich das Rating der Branche. Die Ausfallwahrscheinlichkeit deutscher Krankenhäuser steigt laut Rödl & Partner auf 1,8 Prozent – ein signifikanter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Dadurch gewinnt der Zugang zum privaten Finanzmarkt an Bedeutung. Krankenhäuser sollten daher, so die Empfehlung, „Ratingpflege betreiben und Investitionskraft aus dem Inneren schaffen“, etwa durch konsequente Ergebnissteuerung, moderne Versorgungskonzepte und professionelles Liquiditätsmanagement.
Im Zentrum der Handlungsempfehlungen stehen der Abbau operativer Verluste, ein zielgerichtetes Kapazitätsmanagement, die Etablierung von Frühwarnsystemen und ein starkes Controlling. Rödl & Partner plädiert zudem für eine aktive Transformationskultur, um Kliniken zukunftssicher auszurichten.
Abschließend verweist das Unternehmen auf sein Beratungsangebot, das von beihilferechtlicher Einordnung über Sanierungsgutachten (IDW S 6) bis hin zu Cash Management, Governance-Themen und strategischer Trägerberatung reicht.






