Privatkliniken sehen Solvenzrisiken und wachsenden Reformdruck
VdPkN: Mindestens 25 Prozent der niedersächsischen Krankenhäuser berichten von Solvenzproblemen – Leistungsgruppen, Fachkräftemangel und Reha-Finanzierung prägen die weitere Neuordnung
Die Umsetzung der Krankenhausreform verschärft nach Einschätzung des Verbandes der Privatkliniken Niedersachsen und Bremen (VdPkN) den Anpassungsdruck auf Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen. Auf einer Informationsveranstaltung in Hannover verwies der Verband darauf, dass derzeit mindestens 25 Prozent der Krankenhäuser in Niedersachsen angäben, nach den jüngsten gesetzlichen Entscheidungen Schwierigkeiten zu haben, ihre Solvenz zu sichern. Zugleich rücken Leistungsgruppen, Fachkräfteverfügbarkeit und die Finanzierung der Rehabilitation in den Mittelpunkt der weiteren Strukturentwicklung.
Für Niedersachsen soll der neue Krankenhausplan künftig die Grundlage für die Zuordnung der Leistungsgruppen bilden. Staatssekretärin Dr. Christine Arbogast betonte dabei nach Angaben des Verbandes die besonderen Anforderungen eines Flächenlandes. Neben einer stärkeren Spezialisierung müsse die Erreichbarkeit der Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen berücksichtigt werden. Ausnahmen von Strukturvorgaben seien dort möglich, wo sie zur Sicherstellung der Versorgung erforderlich sind.
Zugleich werde die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen wichtiger. Dies betreffe nicht nur Kooperationen zwischen Krankenhäusern, sondern auch die Verzahnung von Akutmedizin und Rehabilitation.
Fachkräfte werden zum begrenzenden Faktor der Leistungsgruppen
Hanno Kummer vom Verband der Ersatzkassen stellte insbesondere die verfügbaren personellen Ressourcen als limitierenden Faktor heraus. Bereits bei der ersten Antragsrunde habe sich nach seiner Darstellung gezeigt, dass einzelne Leistungen aufgrund fehlender Fachkräfte nicht entsprechend der vorgesehenen Qualitätsanforderungen abgebildet werden könnten.
Aus Sicht des vdek-Vertreters führt dies zu einer stärkeren Konzentration und Spezialisierung. Insbesondere planbare Eingriffe seien teilweise noch auf zu viele Standorte verteilt. Bei der Vergabe der Leistungsgruppen seien deshalb Auswahlentscheidungen des Landes erforderlich. Ausnahmen von Qualitätsanforderungen sollten auf das notwendige Maß begrenzt und begründet werden.
Gaß erwartet weitere Verschärfung der Klinikfinanzen ab 2027
DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß verwies auf die bereits angespannte wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser und erwartet nach Darstellung des VdPkN ab 2027 eine weitere Verschärfung. Gleichzeitig bestünden Planungsunsicherheiten bei der künftigen Ausgestaltung von Leistungsgruppen und Vorhaltefinanzierung.
Als mögliche Instrumente für die Transformation wurden der Transformationsfonds sowie stärkere Verbundstrukturen zwischen Einrichtungen genannt. Krankenhäuser müssten ihre Leistungsangebote stärker an ihren jeweiligen Schwerpunkten ausrichten und gleichzeitig die Patientensteuerung verbessern.
Auch außerhalb des Verbands wird für Niedersachsen auf die Kombination aus wirtschaftlichem Druck, Fachkräftemangel und notwendigen Investitionen in neue Versorgungsstrukturen hingewiesen. (NSGB)
Reha-Einrichtungen befürchten Finanzierungslücken
Auch die medizinische Rehabilitation steht nach Einschätzung der Teilnehmer vor strukturellen Veränderungen. Vertreter der Deutschen Rentenversicherung betonten die wachsende Bedeutung von Prävention und Rehabilitation angesichts des demografischen Wandels. Rehabilitation müsse stärker als Bestandteil einer durchgängigen Versorgungskette betrachtet werden.
Der VdPkN fordert zugleich, Reha-Einrichtungen stärker in die Pflegeausbildung einzubeziehen. BDPK-Hauptgeschäftsführer Thomas Bublitz sieht darüber hinaus Finanzierungsrisiken durch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen von gesetzlicher Krankenversicherung und Rentenversicherung. Ohne ausreichende Refinanzierung bestehe nach Einschätzung des Verbandes die Gefahr ausbleibender Investitionen und eingeschränkter Angebote. Vergleichbare Forderungen zur Einbindung von Reha-Einrichtungen in die Ausbildung und zur Weiterentwicklung der Reha-Finanzierung hatte der Privatklinikverband bereits zuvor erhoben.




