Notaufnahmen am Limit: Bayern verzeichnet massiven Anstieg ambulanter Notfälle

Fallzahlen steigen innerhalb von fünf Jahren um 20 Prozent – TK setzt auf Kabinettsbeschluss zur Notfallreform

Die Belastung der bayerischen Kliniken durch ambulante Notfallpatienten hat einen neuen Höchststand erreicht. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes berichtet, wurden im Freistaat im Jahr 2024 nahezu 1,9 Millionen Menschen ambulant in Notaufnahmen behandelt. Dies entspricht einer Steigerung von über 300.000 Fällen bzw. 20,1 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Damit liegt der Zuwachs in Bayern sogar leicht über dem bundesweiten Trend, der im selben Zeitraum ein Plus von 19 Prozent auf insgesamt über 13 Millionen Fälle ausweist.

Nach Einschätzung der TK und Untersuchungen des GKV-Spitzenverbandes ist ein erheblicher Teil dieser Behandlungen medizinisch nicht in den Kliniken verortet. Mehr als jeder zweite Patient könnte demnach ebenso gut in einer niedergelassenen Praxis versorgt werden. Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin des Versorgungsbereichs der TK in Bayern, sieht in der nun vom Bundeskabinett beschlossenen Notfallreform den entscheidenden Hebel, um die prekäre Situation zu entschärfen. Durch eine bessere Aufklärung und koordinierte Patientensteuerung sollen sowohl die Teams in den Kliniken entlastet als auch die Versorgungsqualität für die Patienten verbessert werden.

Ein zentrales Element der Reform ist die Schaffung eindeutiger Anlaufstellen für Hilfesuchende. Hierzu zählen neue Akutleitstellen sowie Integrierte Notfallzentren (INZ). Diese Zentren sollen als „Dreh- und Angelpunkt“ fungieren, an dem eine professionelle Ersteinschätzung des medizinischen Bedarfs erfolgt. Ziel ist es, Patienten direkt in die richtige Versorgungsebene – ob stationär, ambulant im INZ oder in die vertragsärztliche Praxis – zu leiten. Zudem sieht der Reformwurf verbesserte Standards im Rettungsdienst vor, um eine einheitliche und qualitativ hochwertige Notfalllogistik sicherzustellen.

Bayern nimmt hierbei bereits eine Vorreiterrolle ein: Als erstes Flächenbundesland hat der Freistaat die digitale Verknüpfung zwischen den Rettungsleitstellen (Notruf 112) und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) flächendeckend umgesetzt. Dieses Modell ermöglicht einen reibungslosen Austausch von Patientendaten zwischen den Integrierten Leitstellen (ILS) und den Vermittlungszentralen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Laut TK dient diese praxiserprobte Vernetzung als Vorlage für den bundesweiten Rahmen. Dr. Gonschor appelliert an alle Beteiligten, die Reform nun zügig im parlamentarischen Prozess umzusetzen, um die notwendigen strukturellen Änderungen im Gesundheitswesen voranzutreiben.

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