Mogelpackung „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen“: Kritik an Ersatz für Allgemeinkrankenhäuser

Aktionsgruppe warnt vor Versorgungslücken durch SÜV im Zuge der Krankenhausreform

Wie die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ in einer Pressemitteilung vom 22. Januar 2026 erläutert, sieht sie in den geplanten sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (SÜV) keinen geeigneten Ersatz für Allgemeinkrankenhäuser mit Basisnotfallversorgung. Anlass ist die Veröffentlichung der neuen Aufklärungsbroschüre „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen sind keine Krankenhäuser – Hände weg von Allgemeinkrankenhäusern“.


Die Idee sektorenübergreifender Einrichtungen gehe maßgeblich auf gesundheitsökonomische Konzepte zurück. So verweist die Pressemitteilung auf ein im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erstelltes Gutachten der Oberender AG zu sogenannten Intersektoralen Gesundheitszentren (1). Auch die Münch Stiftung griff diese Überlegungen auf und bezeichnete entsprechende Einrichtungen als „Überwachungskliniken“ (2).

Nach Darstellung der Aktionsgruppe habe sich dieser Ansatz in der gesundheitspolitischen Gesetzgebung niedergeschlagen. Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), das seit dem 1. Januar 2025 in Kraft ist, würden Empfehlungen der Regierungskommission umgesetzt, die unter anderem von Prof. Dr. Boris Augurzky mitgeprägt worden seien. Vorgesehen sei dabei eine stärkere Verlagerung hin zu überwiegend ambulanten Einrichtungen mit wenigen stationären Liegebetten, teils unter pflegerischer Leitung (3).

Die Aktionsgruppe kritisiert, dass diese sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen nicht für die stationäre Notfallversorgung vorgesehen seien und daher Allgemeinkrankenhäuser mit Basisnotfallversorgung nicht ersetzen könnten. In der Broschüre wird hervorgehoben, dass SÜV primär ambulant ausgerichtet seien und sich weder für die Behandlung lebensbedrohlicher Erkrankungen und Verletzungen noch für die Versorgung der Bevölkerung in Krisenlagen wie Pandemien, Katastrophen oder militärischen Bedrohungsszenarien eigneten. Dadurch drohten aus Sicht der Initiative erhebliche Versorgungslücken, insbesondere für akut und lebensbedrohlich Erkrankte oder Verletzte (4).

Vor diesem Hintergrund warnt die Aktionsgruppe davor, im Zuge der Krankenhausreform bestehende Allgemeinkrankenhäuser in großem Umfang durch sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen zu ersetzen. Ihre zentrale Botschaft fasst sie zugespitzt zusammen: „Hände weg von Allgemeinkrankenhäusern.“

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