Marburger Bund warnt vor Klinikabbau durch finanziellen Druck
Olaf Smago fordert zukunftssichere Finanzierung insbesondere für Krankenhäuser im ländlichen Raum
Der Marburger Bund warnt vor einem zunehmend wirtschaftlich getriebenen Abbau von Krankenhausstrukturen. Olaf Smago, Vorsitzender des MB-Bezirks Koblenz, kritisiert, dass insbesondere kleinere Kliniken im ländlichen Raum unter existenziellen Druck geraten. Krankenhausreform und zusätzliche Sparvorgaben dürften nicht dazu führen, dass wirtschaftliche Belastbarkeit anstelle von Versorgungsbedarf und Qualität über Klinikstandorte entscheidet.
Smago verweist auf die bereits angespannte wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser. Nach den von ihm angeführten Zahlen schrieben 2024 zwei Drittel der Kliniken Defizite. Für 2026 erwarteten laut Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) nur noch 13 Prozent der Krankenhäuser eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage.
Besonders sichtbar sei die Entwicklung in Rheinland-Pfalz. Smago nennt unter anderem die Insolvenzen der Kliniken der DRK Trägergesellschaft Süd-West sowie von Krankenhäusern in Remagen, Prüm, Linz und Boppard.
Kritik an ungeordnetem Abbau von Klinikstrukturen
Nach Einschätzung Smagos findet bereits vor der vollständigen Umsetzung der Krankenhausreform ein wirtschaftlich getriebener Strukturabbau statt. Neben einer unzureichenden Investitionsfinanzierung durch die Länder sieht er Defizite bei der Finanzierung der laufenden Betriebskosten.
Besonders betroffen seien kleinere Krankenhäuser, die in ländlichen Regionen die medizinische Grundversorgung gewährleisten. Smago warnt deshalb vor einem „unstrukturierten Marktbereinigungsprozess“. Zusätzlichen Druck erwartet er durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Dabei verweist er auf eine Prognose der DKG, wonach die vorgesehenen Kürzungen bundesweit bis zu 400 Klinikstandorte gefährden könnten.
Aus Sicht Smagos darf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses nicht allein darüber entscheiden, welche Standorte bestehen bleiben. Notwendig sei vielmehr eine bedarfsgerechte Strukturplanung, die Qualität und regionale Versorgung berücksichtigt.
Klinikschließungen verändern auch Rettungsdienst und ambulante Versorgung
Eine Ausdünnung der Krankenhauslandschaft hätte nach seiner Einschätzung zudem Auswirkungen auf andere Versorgungsbereiche. Wo Kliniken geschlossen werden, müssten Rettungsdienste und ambulante Strukturen entsprechend ausgebaut werden. Gleichzeitig verschärfe der Ärztemangel bereits die ambulante Versorgung.
Besonders kritisch seien längere Wege bei zeitkritischen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Eine Krankenhausreform müsse deshalb auch Erreichbarkeit und regionale Versorgungsstrukturen berücksichtigen.
Smago fordert eine Krankenhausfinanzierung, die eine hochwertige Versorgung auch außerhalb der Ballungsräume dauerhaft ermöglicht. Die Reform müsse Strukturen bedarfsgerecht weiterentwickeln und Qualität stärken, statt Krankenhäuser allein über wirtschaftlichen Druck aus dem Versorgungssystem zu drängen.




