KV Sachsen-Anhalt fordert Reformen für eine zukunftssichere ambulante Versorgung
Vertreterversammlung verabschiedet Resolution zu Vergütung, Notfallreform und Digitalisierung
Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) hat am 20. Februar 2026 eine umfassende Resolution zur Zukunft der ambulanten Versorgung verabschiedet. Angesichts steigender Morbidität, zunehmender Kosten und wachsender Personalengpässe fordert die Vertreterversammlung strukturelle und finanzielle Anpassungen, um die wohnortnahe Versorgung langfristig zu sichern.
Die KVSA verweist auf zentrale Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem: Eine alternde Bevölkerung mit multiplen chronischen Erkrankungen führt zu steigender Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen. Gleichzeitig werde Arztzeit knapper – bedingt durch Nachwuchsmangel und veränderte Arbeitszeitmodelle. Hinzu kämen kontinuierlich steigende Betriebskosten in den Praxen.
Als bewährtes Modell nennt die KVSA die seit 2004 etablierte hausarztzentrierte Versorgung in Sachsen-Anhalt mit über 800.000 teilnehmenden GKV-Versicherten. Eine gezielte Patientensteuerung in die jeweils passende Versorgungsebene erhöhe Qualität und Effizienz. Voraussetzung seien jedoch flexible vertragliche Gestaltungsspielräume sowie eine Berücksichtigung regionaler Besonderheiten.
Die Vertreterversammlung betont die wirtschaftliche Bedeutung des ambulanten Sektors: In Arzt- und Psychotherapeutenpraxen würden 97 Prozent aller Behandlungsfälle abschließend versorgt, jedoch entfielen lediglich 16 Prozent der GKV-Leistungsausgaben auf diesen Bereich.
Jahrelang seien aufgrund der Budgetierung in Sachsen-Anhalt rund 80 Millionen Euro pro Jahr nicht vergütet worden. Nach der Entbudgetierung psychotherapeutischer Leistungen (seit 2013), kinder- und jugendärztlicher Leistungen (seit 2023) sowie hausärztlicher Leistungen (seit Ende 2025) fordert die KVSA nun auch die Entbudgetierung fachärztlicher Leistungen.
Die geplante Notfallreform dürfe nicht zu einer personellen und finanziellen Mehrbelastung des ambulanten Bereichs führen. Eine Parallelstruktur aus integrierten Notfallzentren an Krankenhäusern und zusätzlichen Fahrdiensten sei weder personell leistbar noch ausreichend finanziert.
Statt starrer bundesweiter Vorgaben fordert die KV Sachsen-Anhalt regionale Gestaltungsspielräume. Eine gezielte Patientensteuerung könne Notaufnahmen wirksam entlasten.
Offen zeigt sich die KVSA gegenüber digitalen Anwendungen – sofern sie Praxen tatsächlich entlasten und die Versorgung verbessern. Die „ePA für alle“ biete Potenzial für den sektorenübergreifenden Datenaustausch.
Allerdings sei die elektronische Patientenakte in ihrer aktuellen patientengeführten Ausgestaltung nur eingeschränkt verlässlich. Da Versicherte selbst entscheiden, welche Informationen eingestellt und freigegeben werden, fehle Ärzten und Psychotherapeuten die Gewissheit über Vollständigkeit und Aussagekraft der hinterlegten Daten.
Abschließend fordert die Vertreterversammlung politische Maßnahmen zur Stärkung des Arztberufs. Notwendig seien mehr Medizinstudienplätze, eine auskömmliche Finanzierung der ambulanten Weiterbildung aus dem Gesundheitsfonds sowie Anreize für längere Berufstätigkeit.
Die Sicherstellung einer flächendeckenden ambulanten Versorgung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für deren Rahmenbedingungen die Politik Verantwortung trage.






