TK gibt 2,3 Milliarden Euro für Versicherte in Schleswig-Holstein aus

Krankenkasse fordert Strukturreformen bei ambulanter und stationärer Versorgung

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat 2025 rund 2,3 Milliarden Euro für die Gesundheitsversorgung ihrer Versicherten in Schleswig-Holstein ausgegeben. Nach Angaben der TK entspricht dies 4.016 Euro je Versicherten und einem Anstieg der Pro-Kopf-Ausgaben um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Krankenkasse sieht angesichts steigender Ausgaben dringenden Reformbedarf und fordert unter anderem eine bessere Steuerung der Patientenversorgung sowie eine konsequente Umsetzung der Krankenhausreform.

Den größten Anteil der TK-Ausgaben in Schleswig-Holstein entfielen 2025 auf Krankenhausbehandlungen mit rund 600 Millionen Euro. Für Arzneimittel wurden etwa 400 Millionen Euro ausgegeben, während die ambulante Versorgung mit rund 390 Millionen Euro zu Buche schlug.

Besonders dynamisch entwickelten sich die Ausgaben für die ambulante Versorgung. Die Leistungsausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahr um 14,1 Prozent. Auch bei den Pro-Kopf-Ausgaben war ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen: Sie erhöhten sich von 2024 auf 2025 um 9,42 Prozent.

Die Gesamtentwicklung ist nach Angaben der TK teilweise auf die gestiegene Zahl der Versicherten in Schleswig-Holstein zurückzuführen. Gleichzeitig nahmen jedoch auch die Ausgaben je Versicherten in sämtlichen relevanten Bereichen zu.

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein, sieht in den Zahlen einen weiteren Beleg für den Reformbedarf in der gesetzlichen Krankenversicherung. Das kürzlich verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz könne zwar dazu beitragen, die Ausgabendynamik zu begrenzen. Aus Sicht der TK müssten jedoch weitere Strukturreformen folgen.

TK fordert bessere Steuerung der Patienten

Ein zentraler Ansatzpunkt ist aus Sicht der Krankenkasse eine stärkere Steuerung der Patientinnen und Patienten durch das Gesundheitssystem. Mit dem geplanten Primärversorgungssystem sei ein entsprechendes Reformvorhaben bereits auf der politischen Agenda.

Die TK plädiert für eine Versorgung nach dem Prinzip „Digital vor ambulant vor stationär“. Beschwerden sollen demnach zunächst in einem strukturierten und digital unterstützten Dialog erfasst werden. Auf dieser Grundlage könnte der individuelle Behandlungsbedarf eingeschätzt und entschieden werden, ob eine ärztliche Behandlung erforderlich ist und welche Fachrichtung gegebenenfalls zuständig sein sollte.

Nach Auffassung der TK würden dadurch ambulante und stationäre Angebote besser miteinander verzahnt. Gleichzeitig könnten digitale Versorgungsangebote stärker genutzt werden. Ziel sei es, zu vermeiden, dass Patientinnen und Patienten Versorgungsangebote in Anspruch nehmen, die nicht optimal zu ihrem tatsächlichen medizinischen Bedarf passen.

Arzneimittelpreise als weiterer Kostenfaktor

Auch bei den Arzneimittelausgaben sieht die TK erhebliches Einsparpotenzial. Nach Angaben der Krankenkasse entfielen 2025 in Schleswig-Holstein rund 400 Millionen Euro auf Arzneimittel.

Insbesondere neue Patentarzneimittel seien für die Kostenentwicklung relevant. Obwohl sie nach Angaben der TK nur knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachten sie nahezu 54 Prozent der Arzneimittelausgaben.

Die Krankenkasse fordert deshalb eine Preisgestaltung, die sich stärker am tatsächlichen Nutzen neuer Medikamente sowie an international vergleichbaren Preisen orientiert. Zusätzlich sieht sie in einer Absenkung der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 auf sieben Prozent eine Möglichkeit, die gesetzliche Krankenversicherung finanziell zu entlasten.

Krankenhausreform soll Spezialisierung vorantreiben

Als dritten zentralen Reformbereich nennt die TK die Krankenhausplanung in Schleswig-Holstein. Aus Sicht der Krankenkasse sollte die Krankenhausreform konsequent für eine stärkere Spezialisierung genutzt werden.

Sören Schmidt-Bodenstein argumentiert, dass bestimmte medizinische Leistungen künftig nur noch an besonders geeigneten Standorten angeboten werden sollten. Dadurch könnten Qualität und Behandlungsergebnisse verbessert werden. Gleichzeitig könnten Personal, medizinische Technik und finanzielle Ressourcen gezielter eingesetzt werden.

Die TK sieht in der Kombination aus einer besseren Patientensteuerung, einer stärkeren Verzahnung ambulanter und stationärer Versorgung, einer Reform der Arzneimittelpreise und einer qualitätsorientierten Krankenhausplanung zentrale Ansatzpunkte für eine langfristige Stabilisierung des Gesundheitssystems.

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