Krankenhausreform: Regionale Gesundheitsökosysteme als Schlüssel
KPMG sieht Kliniken in der Pflicht zur aktiven Gestaltung neuer Versorgungsstrukturen
Die Krankenhausreform in Deutschland soll laut Einschätzung von KPMG die Versorgungsstrukturen grundlegend verändern und auf mehr Konzentration, höhere Qualität und eine effizientere Finanzierung ausrichten. Gleichzeitig bleibt die konkrete Ausgestaltung nach Einschätzung von Branchenexperten weiterhin offen, wodurch erhebliche Unsicherheiten für Kliniken bestehen. Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht daher weniger die gesetzliche Umsetzung als vielmehr die aktive strategische Positionierung der Leistungserbringer.
Im Interview betont der Healthcare-Experte Alexander Morton, Partner im Consulting bei KPMG, dass die Reform zwar als notwendiger Strukturimpuls verstanden werde, ihre Wirkung jedoch stark von der praktischen Umsetzung in den Regionen abhänge. Besonders kritisch bewertet er die bestehende Kosten-Erlös-Schere sowie die unzureichende Investitionsfinanzierung der Länder, die bereits heute zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen im Krankenhaussektor führten. Diese Entwicklungen hätten sich seit der Einführung der diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG-System) im Jahr 2003 schrittweise verstärkt.
Nach Einschätzung Mortons sind die strukturellen Herausforderungen des Systems längst sichtbar. Während urbane Regionen teilweise Überkapazitäten aufweisen, bestehen in ländlichen Räumen Versorgungsengpässe. Die Reform adressiere diese Fehlentwicklungen zwar grundsätzlich, lasse jedoch in ihrer aktuellen Ausgestaltung noch wesentliche Steuerungsinstrumente vermissen. Ohne Nachjustierung drohe weiterhin ein ungeordneter Transformationsprozess, der eher von wirtschaftlichem Druck als von systematischer Planung geprägt sei.
Vor diesem Hintergrund rückt das Konzept regionaler Gesundheitsökosysteme in den Mittelpunkt. Kliniken sollten laut Morton nicht auf gesetzliche Detailregelungen warten, sondern gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten, Kostenträgern, Politik und weiteren Leistungserbringern neue Versorgungsstrukturen aktiv entwickeln. Ziel sei es, stationäre und ambulante Versorgung stärker zu verzahnen und regionale Bedarfe konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Besonders die Einbindung der ambulanten Versorgungsebene wird dabei als entscheidender Faktor für zukünftige Stabilität hervorgehoben.
Das Konzept zielt auf Kooperation statt Konkurrenz: Krankenhäuser sollen sich stärker in regionale Versorgungsnetzwerke integrieren und gemeinsam mit Partnern medizinisch sinnvolle, wirtschaftlich tragfähige Strukturen entwickeln. Nach Einschätzung des Experten entstehen dort nachhaltige Modelle, wo Leistungserbringer frühzeitig gemeinsame Versorgungsziele definieren und diese mit Kostenträgern und Planungsbehörden abstimmen. Gleichzeitig wird auf den begrenzten Zeithorizont hingewiesen. Der politische Reformprozess werde sich voraussichtlich über mehrere Jahre erstrecken, während wirtschaftlicher Druck und strukturelle Defizite bereits heute zunehmen. Daraus ergibt sich für viele Einrichtungen ein unmittelbarer Handlungsdruck, unabhängig vom finalen Gesetzesrahmen.
Die zentrale Botschaft des Interviews ist damit klar: Kliniken sollten die Transformation nicht abwarten, sondern aktiv gestalten. Regionale Gesundheitsökosysteme gelten dabei als entscheidender Ansatz, um Versorgungsqualität, Wirtschaftlichkeit und Standortsicherung künftig miteinander zu verbinden.




