Krankenhausreform in Deutschland: Strukturwandel zwischen Konsolidierung und wirtschaftlichen Risiken
Webinar von HC&S, LOHMANNkonzept und Contract Cost Care diskutiert strategische und betriebswirtschaftliche Herausforderungen im Krankenhauswesen
Die Umsetzung der Krankenhausreform und ihre wirtschaftlichen Folgen standen im Mittelpunkt eines gemeinsamen Webinars von HC&S, LOHMANNkonzept und Contract Cost Care. Unter der Moderation von Jeton Gashi diskutierten Prof. Heinz Lohmann, Prof. Lars Timm, Dr. Nicolas Krämer und Stefan Hein aktuelle Entwicklungen im deutschen Krankenhauswesen.
„Politik ist Rahmenbedingung – kein Treiber“
Heinz Lohmann stellte in seinem Impulsvortrag die These auf, dass politische Entscheidungen zwar Rahmenbedingungen setzen, jedoch nicht als eigentlicher Motor des Strukturwandels fungieren. Das Gesundheitswesen sei seit Jahren strukturell belastet, die aktuelle wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser jedoch besonders angespannt.
Steigende Krankenkassenbeiträge, zunehmende Regulierung und Bürokratie sowie wirtschaftliche Schieflagen vieler Häuser verschärften die Situation. Gleichzeitig werde versucht, bestehende Strukturen durch Kredite und zusätzliche Mittel zu stabilisieren. Dies führe paradoxerweise dazu, dass innovative Versorgungsformen gebremst würden.
Lohmann plädierte für ein integriertes Versorgungsmodell, das ambulante und stationäre Leistungen organisatorisch und finanziell zusammenführt. Wer diese Entwicklung aktiv gestalte, könne die Reform als Chance nutzen.
Sanierungserfahrungen und strukturelle Illusionen
Lars Timm berichtete aus seiner Erfahrung bei der Sanierung des Krankenhauses in Geesthacht, das mit einem negativen Deckungsbeitrag von bis zu 600.000 Euro monatlich konfrontiert war. Zwei Insolvenzverfahren innerhalb weniger Monate hätten deutlich gemacht, dass kosmetische Korrekturen („Pinselsanierung“) nicht ausreichen. Erforderlich sei eine konsequente Neuausrichtung des Leistungsportfolios.
Dr. Nicolas Krämer verwies ergänzend auf überholte Leitbilder einer flächendeckenden Vollversorgung nach dem Vorbild klassischer Krankenhausstrukturen. Die Vorstellung, jede Kommune müsse sämtliche Fachdisziplinen vorhalten, sei wirtschaftlich und qualitativ nicht mehr tragfähig. Ziel der Reform sei vielmehr eine Spezialisierung zur Sicherung von Qualität und Nachhaltigkeit.
Als positive Beispiele nannten die Referenten regionale Gesundheitszentren in Zerbst sowie Level-1n-Konzepte wie in Holzminden, die als Blaupausen für andere Regionen dienen könnten.
Ökonomische Nebenwirkungen der Reform
Stefan Hein von Contract Cost Care lenkte den Fokus auf betriebswirtschaftliche Risiken: Fixkosten ohne strukturellen Mehrwert, mögliche Verluste von Vorhaltepauschalen sowie Sanktionen bei Nichterfüllung von Personalvorgaben könnten existenzielle Auswirkungen haben. Die Krankenhausreform dürfe daher nicht als alleinige Erklärung für wirtschaftliche Defizite dienen. Operative Steuerung und Kostenmanagement gewönnen weiter an Bedeutung.
Blick nach Dänemark
Abschließend wurde auf internationale Erfahrungen verwiesen. Ein Vergleich mit Dänemark zeige, dass eine konsequent umgesetzte Krankenhausreform Versorgungsqualität, Lebensqualität und Lebenserwartung verbessern könne.
Der Tenor des Webinars war eindeutig: Der Strukturwandel im Krankenhauswesen ist unausweichlich. Kliniken, die strategische Neuausrichtung und wirtschaftliche Steuerung aktiv gestalten, können die Transformation als Chance nutzen. Abwartendes Verhalten birgt hingegen erhebliche Risiken.






