KlinikScanner: „Wir wollen zeigen, was tatsächlich passiert“

Manuel Jokiel und Klaus Emmerich über Klinikschließungen, aktuelle Strukturdaten und einen geplanten Schließungs-Simulator

Mit dem neuen KlinikScanner wollen die Initiative KSMap und die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ Veränderungen der deutschen Krankenhauslandschaft über mehrere Jahre sichtbar machen. Amtliche Krankenhausdaten werden dafür mit aktuellen Recherchen zu Schließungen und Strukturveränderungen verbunden. Im medconweb-Interview erklären Entwickler Manuel Jokiel und der frühere Klinikvorstand Klaus Emmerich, was hinter dem Projekt steckt, wie aktuell die Daten sein können und welche weiteren Funktionen geplant sind.

MedConWeb: Was ist der KlinikScanner?

„Mit dem KlinikScanner wollen wir zeigen, was mit unserer Krankenhauslandschaft tatsächlich passiert. Wir bringen die Daten mehrerer Jahre zusammen und machen sichtbar, wo Kliniken verschwinden, Betten oder Fachabteilungen wegfallen und sich die Versorgung verändert. Aus vielen einzelnen Zahlen entsteht so ein Gesamtbild, das jeder verstehen kann.“

MedconWeb: Was ist daran neu?

Manuel Jokiel: „Eine Krankenhausliste ist immer nur eine Momentaufnahme. Uns interessiert aber die Entwicklung dahinter. Deshalb verknüpft der KlinikScanner die einzelnen Jahresstände miteinander. So können wir für jedes Krankenhaus nachvollziehen, was sich über die Jahre verändert hat – und genau dadurch werden Entwicklungen sichtbar, die man in einem einzelnen Datensatz überhaupt nicht erkennt.“

MedconWeb: Wie ist es um die Aktualität der Daten bestellt, und was bedeutet dies für die Menschen vor Ort?

Manuel Jokiel: „Amtliche Daten erzählen immer nur einen Teil der Geschichte, weil sich vor Ort längst wieder etwas verändert haben kann. Deshalb ergänzen wir sie durch aktuelle Recherchen und Hinweise aus der Bevölkerung. Jeder kann uns über klinikscanner.de Veränderungen melden. So soll aus vielen Beobachtungen ein möglichst aktuelles und realistisches Bild entstehen.“

MedconWeb: Wofür soll der KlinikScanner gut sein?

Manuel Jokiel: „Wir wollen mit dem KlinikScanner keine Meinung vorgeben, sondern Transparenz schaffen. Bürgerinitiativen, Journalisten, Krankenhausgesellschaften, Politik und natürlich die Menschen vor Ort sollen mit denselben nachvollziehbaren Daten arbeiten können. Wenn dadurch Entwicklungen früher erkannt und Diskussionen über den Erhalt von Krankenhausversorgung fundierter geführt werden, haben wir viel erreicht.“

MedconWeb: Ist der KlinikScanner damit fertig? Ist das alles, was er können soll?

Manuel Jokiel: „Für uns ist der KlinikScanner noch lange nicht fertig. Wir wollen daraus weitere Werkzeuge für konkrete Fragestellungen entwickeln – zum Beispiel einen Klinik-Schließungs-Simulator. Damit möchten wir anhand echter Bevölkerungsdaten und realer Fahrzeit-Isochronen sichtbar machen, was eine Schließung tatsächlich bedeutet: wie viele Menschen betroffen wären und wie sich ihre Erreichbarkeit von Krankenhausversorgung verändert.“

MedConWeb: Warum brauchen wir den KlinikScanner?

Klaus Emmerich: „Die Krankenhauslandschaft in Deutschland verändert sich in einem enormen Tempo. Standorte schließen, Fachabteilungen verschwinden und Versorgungsangebote werden reduziert. Mit dem KlinikScanner können wir diese Veränderungen erstmals über mehrere Jahre hinweg sichtbar machen. Damit schaffen wir Transparenz darüber, was mit unserer Krankenhausversorgung tatsächlich geschieht.“

MedConWeb: Ist für Sie die einzelne Schließung eines Krankenhauses maßgeblich oder das Gesamtbild der deutschen Krankenhäuser?

Klaus Emmerich: „Beides! Eine Krankenhausschließung wird häufig nur als lokales Ereignis wahrgenommen. Betrachtet man aber ganz Deutschland und mehrere Jahre zusammen, entsteht ein völlig anderes Bild. Genau das leistet der KlinikScanner: Er führt viele einzelne Entwicklungen zusammen und zeigt, wie tiefgreifend sich unsere Krankenhausstrukturen tatsächlich verändern.“

MedConWeb: Welchen Nutzen hat der Klinikscanner für Bürgerinitiativen und für die Politik?

Klaus Emmerich: „Wer für den Erhalt eines Krankenhauses kämpft, braucht neben guten Argumenten vor allem belastbare Informationen. Der KlinikScanner gibt Bürgerinitiativen, Kommunen und Krankenhausgesellschaften ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie Entwicklungen nachvollziehen und darstellen können. Damit können Diskussionen mit Politik und Öffentlichkeit auf einer besseren Datengrundlage geführt werden.“

MedConWeb: Warum ist Aktualität so wichtig?

Klaus Emmerich: „Die amtlichen Krankenhausdaten sind eine unverzichtbare Grundlage, können aber aktuelle Entwicklungen naturgemäß nicht immer abbilden. Deshalb ergänzen wir sie durch kontinuierliche Recherche und Hinweise von Menschen vor Ort. Diese Verbindung macht den KlinikScanner besonders wertvoll: Wir haben die belastbare Datenbasis und gleichzeitig den Blick auf das, was gerade passiert.“

MedConWeb: Was soll der KlinikScanner bewirken?

Klaus Emmerich: „Der KlinikScanner soll Veränderungen nicht nur dokumentieren. Er soll helfen, deren Folgen für die Versorgung zu verstehen. Wenn wir sichtbar machen können, wo Strukturen verloren gehen und welche Regionen davon betroffen sind, schaffen wir eine Grundlage, um über Krankenhausplanung und eine flächendeckende Versorgung fundierter zu diskutieren.“