Klinikreform verändert Versorgungsrollen im Süden Schleswig-Holsteins

Travemünde verliert bisherige stationäre Struktur, Geriatrie-Standorte werden geprüft – zugleich fehlen laut FDP weiterhin Hamburger Daten für die länderübergreifende Bedarfsplanung

In Schleswig-Holstein beginnt die konkrete Neuordnung der Krankenhauslandschaft nach Leistungsgruppen. Bei der ersten Regionalkonferenz am 21. September in Lübeck wurden für die Versorgungsregion Süd erhebliche Veränderungen insbesondere für kleinere Standorte deutlich: Die Praxisklinik Travemünde kann ihr bisheriges stationäres Angebot nicht fortführen, bei mehreren geriatrischen Standorten ist die künftige Rolle offen. Zugleich kritisiert die FDP, dass für die Krankenhausplanung im Hamburger Umland weiterhin benötigte Versorgungsdaten aus Hamburg fehlten.

Die Region Süd umfasst Lübeck sowie die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Rund 124.000 stationäre Behandlungsfälle pro Jahr entfallen nach Angaben auf der Regionalkonferenz auf dieses Gebiet. Künftig sollen komplexe und planbare Eingriffe stärker an spezialisierten Standorten gebündelt werden, während die Grund- und Notfallversorgung unter Einbeziehung kleinerer Krankenhäuser und sektorenübergreifender Versorgungsstrukturen erhalten werden soll.

Die Regionalkonferenz markiert zugleich den Beginn der Anhörungsphase. Gesundheitsministerin Prof. Kerstin von der Decken betonte, dass die vorgestellten Planungen noch nicht endgültig seien. Verbindliche Bescheide über die Zuweisung der beantragten Leistungsgruppen sollen nach bisheriger Planung im Dezember 2026 an die Krankenhäuser gehen.

Besonders weitreichend sind die vorgesehenen Veränderungen für die Praxisklinik Travemünde. Nach Darstellung des Ministeriums erfüllt der Standort bei seinem bisherigen Leistungsspektrum die Voraussetzungen für die entsprechenden Leistungsgruppen nicht.

Als Perspektive nannte das Ministerium eine Weiterentwicklung gemeinsam mit niedergelassenen Praxen und der Kassenärztlichen Vereinigung zu einem ambulanten OP-Zentrum oder Medizinischen Versorgungszentrum. Die bisher dort erbrachten stationären Leistungen sollen von anderen Klinikstandorten übernommen werden. Für die Umstellung ist eine Übergangsphase bis Ende 2027 vorgesehen.

Auch die geriatrische Versorgung wird neu geordnet. Das Rote Kreuz Krankenhaus Marli in Lübeck soll als größte geriatrische Fachklinik des Landes gestärkt werden. Für geriatrische Angebote in Bad Oldesloe, Geesthacht und Ratzeburg muss dagegen noch geklärt werden, ob sie die Voraussetzungen für den Status einer Fachklinik erfüllen. Als mögliche Alternative wurden sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen genannt.

Für das DRK Krankenhaus Mölln-Ratzeburg zeichnet sich dagegen eine konkretere Rolle ab. Der Standort soll eine grund- und notfallversorgende Struktur mit einem breiten internistisch-chirurgischen Angebot sichern. Kardiologie und Gefäßmedizin sollen als Schwerpunkte weiterentwickelt und durch eine leistungsfähige Intensivmedizin ergänzt werden.

Als überregional bedeutsame Fachkliniken sollen unter anderem die Klinik Manhagen, die LungenClinic Grosshansdorf, das Rote Kreuz Krankenhaus Lübeck und die Vitrea Kinderklinik Geesthacht erhalten bleiben. UKSH Campus Lübeck, Sana Kliniken Lübeck und Krankenhaus Reinbek bleiben zentrale Standorte der Region; die endgültige Verteilung einzelner Leistungsgruppen steht jedoch noch aus.

FDP kritisiert fehlende Hamburger Versorgungsdaten

Parallel zur Regionalkonferenz kritisierte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Heiner Garg, die aus seiner Sicht unzureichende länderübergreifende Krankenhausplanung mit Hamburg. Patientenströme zwischen Hamburg und dem südlichen Schleswig-Holstein müssten bei der Zuordnung von Leistungsgruppen und der Neuausrichtung der Standorte berücksichtigt werden.

Nach Angaben Gargs fehlt dem Land weiterhin ein für die Planung benötigter Datensatz aus Hamburg. Die FDP fordert deshalb, vor endgültigen Strukturentscheidungen eine gemeinsame Datengrundlage für das Hamburger Umland zu schaffen. Die Kritik ist eine politische Bewertung der laufenden Planung; die Anhörungsphase selbst ist noch nicht abgeschlossen.