Innovationsfondsprojekt ProReVers stärkt sektorenübergreifende Versorgung im ländlichen Raum
Regionale Versorgungsplanung in Prignitz und Ostprignitz-Ruppin liefert belastbare Datenbasis und konkrete Handlungsempfehlungen
In den Modellregionen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin wurde das durch den Innovationsfonds geförderte Projekt „Prospektive Regionale Sektorenübergreifende Versorgungsplanung (ProReVers)“ abgeschlossen. Ziel des Projekts war es, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum durch eine integrierte, sektorenübergreifende Versorgungsplanung weiterzuentwickeln. Die zentralen Ergebnisse wurden Mitte Januar auf einem Fachsymposium bei der AOK Nordost vorgestellt.
Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung, hoher Morbidität und großer Entfernungen zwischen Versorgungsangeboten untersuchte das Projekt, wie die in Deutschland ausgeprägte Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung regional bedarfsgerecht überwunden werden kann. Dazu wurden umfangreiche Datenanalysen, Bevölkerungsbefragungen, Experteninterviews und Workshops durchgeführt sowie Lösungen gemeinsam mit den regionalen Akteuren entwickelt.
Hohe Beteiligung der Versicherten
Ein zentrales Element von ProReVers war eine Befragung der Versicherten in der Region. Nach Angaben der AOK Nordost beteiligte sich nahezu jede bzw. jeder fünfte Versicherte an der Erhebung. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesundheitsversorgung insgesamt zwar überwiegend positiv bewertet wird, die Zufriedenheit jedoch mit zunehmender Ländlichkeit abnimmt.
Besonders kritisch wurden die fachärztliche Versorgung, lange Wartezeiten, eingeschränkte Erreichbarkeit von Praxen sowie Zeitmangel des Personals bewertet. Hinzu kommen weite Anfahrtswege und Defizite im öffentlichen Nahverkehr. Gleichzeitig liegt die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung unter dem bundesweiten Durchschnitt. Entsprechend groß ist der Wunsch nach mehr Haus- und Fachärzten sowie nach einem Ausbau digitaler Angebote.
Perspektive der Versorgenden: Bürokratie und Fachkräftemangel
Auch die Sicht der Versorgenden wurde systematisch erhoben. Ärztinnen, Ärzte und weitere Akteure beschrieben eine hohe Belastung durch bürokratische Anforderungen und einen zunehmenden Fachkräftemangel. Digitale Lösungen werden grundsätzlich als hilfreich eingeschätzt, ihre Umsetzung scheitere jedoch häufig an Defiziten in der digitalen Infrastruktur sowie an fehlenden zeitlichen und personellen Ressourcen.
Ambulantisierung im ländlichen Raum mit besonderen Hürden
Im Projekt wurde zudem untersucht, inwieweit eine stärkere Ambulantisierung der Versorgung realisierbar ist. Dabei zeigte sich, dass ländliche Regionen vor besonderen Herausforderungen stehen. Fehlende häusliche Betreuungsstrukturen, große Entfernungen und unzureichende Mobilitätsangebote erschweren eine Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich. In den Experteninterviews wurden sowohl Chancen als auch Risiken der Ambulantisierung benannt, insbesondere mit Blick auf die praktische Umsetzbarkeit im Versorgungsalltag.
Regionale Planungskonferenzen als zentrales Instrument
Auf Basis der gewonnenen Daten wurde eine umfassende regionale Datenbasis aufgebaut, die neben amtlichen Statistiken auch qualitative Ergebnisse aus Befragungen und Workshops enthält. In regionalen Planungskonferenzen erarbeiteten Vertreter der ambulanten und stationären Versorgung sowie der Landkreise konkrete Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgung in den kommenden fünf Jahren.
Nach Einschätzung der Projektpartner kann eine solche regionale Versorgungsplanung nur gelingen, wenn lokale Bedarfe systematisch berücksichtigt und zugleich regulatorische Hürden zwischen ambulanter und stationärer Versorgung abgebaut werden. Derzeit stoßen Akteure insbesondere bei Finanzierungs- und Zulassungsfragen an die Grenzen der bestehenden Sektorentrennung.
Übertragbarkeit auf andere Regionen
Die im Projekt entwickelten Analysedesigns, Instrumente und Verfahren sind nach Angaben der Projektpartner auch auf andere ländliche Regionen übertragbar. ProReVers liefert damit eine methodische Grundlage für eine ganzheitliche, sektorenübergreifende Versorgungsplanung im ländlichen Raum.






