Hybrid-DRGs verursachen laut WIdO 360 Millionen Euro Mehrausgaben
Fallzahlen steigen 2025 um 17 Prozent – bei Vertragsärzten sogar um 65 Prozent, AOK fordert Preisanpassungen
Die Einführung der Hybrid-DRGs hat nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) 2025 zu rund 360 Millionen Euro Mehrausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung geführt. Gleichzeitig stieg die Zahl der betrachteten Behandlungsfälle gegenüber 2024 um 17 Prozent. Der AOK-Bundesverband fordert angesichts der Mengen- und Ausgabenentwicklung eine Nachsteuerung bei der sektorenunabhängigen Vergütung.
Für die Analyse hat das WIdO Abrechnungsdaten von mehr als 27 Millionen AOK-Versicherten ausgewertet, standardisiert und auf die Gesamt-GKV hochgerechnet. Verglichen wurden Leistungen, die vor Einführung der Hybrid-DRGs entweder stationär über DRGs oder ambulant über den EBM abgerechnet wurden.
Das Ergebnis: Die inflationsbereinigten Ausgaben für die betrachteten Leistungen erhöhten sich 2025 gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent. Das entspricht nach Berechnung des WIdO Mehrausgaben von rund 360 Millionen Euro.
Das WIdO e-Paper 15 (2026) analysiert die Ausgaben- und Mengenentwicklung der Hybrid-DRGs im zweiten Jahr ihrer Umsetzung und beleuchtet zugleich Qualitätsaspekte der Versorgung.
Download: Hybrid-DRGs im Fokus – Ausgaben- und Mengenentwicklung sowie Qualitätsaspekte im zweiten Jahr der Umsetzung von Robert Messerle, Corinna Hentschker, Matthias Maneck, Stephan Zähres und David Scheller-Kreinsen (PDF, 943 kB)
Fallzahlen bei Vertragsärzten steigen um 65 Prozent
Besonders ausgeprägt war die Mengenentwicklung im vertragsärztlichen Bereich. Dort erhöhte sich die Zahl der betrachteten Fälle von rund 219.000 im Jahr 2024 auf 363.000 im Jahr 2025 – ein Plus von 65 Prozent.
In den Krankenhäusern stiegen die Fallzahlen im gleichen Zeitraum von rund 932.000 auf 986.000 und damit um 6 Prozent.
Das WIdO führt die Entwicklung sowohl auf Mengen- als auch auf Preiseffekte zurück. Durch die Mischkalkulation aus zuvor stationärer und ambulanter Vergütung steige insbesondere für Vertragsärzte die Vergütung je Fall. Das Institut sieht darin einen starken finanziellen Anreiz zur Mengenausweitung.
WIdO erwartet 2026 weitere Mehrausgaben
Auch im laufenden Jahr setzt sich die Entwicklung nach der Analyse fort. Für das erste Quartal 2026 ermittelte das WIdO auf Basis des erweiterten Hybrid-DRG-Katalogs einen Mengenanstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die inflationsbereinigten Ausgaben stiegen um 7 Prozent beziehungsweise rund 160 Millionen Euro.
Sollte sich diese Entwicklung in den weiteren Quartalen fortsetzen, rechnet das Institut für das Gesamtjahr 2026 mit Mehrausgaben von rund 640 Millionen Euro.
Gleichzeitig liefert die Untersuchung nach Angaben des WIdO bislang nur wenige Hinweise auf Qualitätsprobleme bei der ambulanten Leistungserbringung. Nur ein kleiner Teil der Patienten sei innerhalb von 30 Tagen nach einer initial vertragsärztlich erbrachten Leistung stationär aufgenommen worden.
AOK fordert Anpassung der Hybrid-DRG-Vergütung
AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann fordert vor diesem Hintergrund gesetzliche Nachbesserungen bei der Ausgaben- und Mengensteuerung. Insbesondere müsse sich die Vergütung stärker an den tatsächlichen Kosten einer ambulanten Leistungserbringung orientieren.
Aus Sicht der AOK sollte eine Behandlung, die unter günstigeren ambulanten Rahmenbedingungen erbracht werden kann, auch entsprechend niedriger vergütet werden. Ziel müsse eine Ambulantisierung sein, die neben der Verlagerung von Leistungen auch tatsächlich Wirtschaftlichkeitsreserven erschließt.
Hybrid-DRGs wurden 2024 als einheitliche sektorenunabhängige Fallpauschalen für ausgewählte Leistungen eingeführt. Mit den Erweiterungen 2025 und 2026 umfasst der Katalog inzwischen 69 Hybrid-DRGs.




