Geriatrie fordert zehn Reformen für die Altersmedizin

DGG und Lehrstuhlinhaber verlangen bessere Versorgung und Finanzierung

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Lehrstuhlinhaberinnen und Lehrstuhlinhaber für Geriatrie in Deutschland haben zehn Forderungen für eine zukunftsfähige Altersmedizin vorgelegt. Das aktuelle Positionspapier „Geriatrie gestaltet Zukunft“ sieht vor allem bei ambulanter Versorgung, Finanzierung, Forschung und akademischer Verankerung erheblichen Handlungsbedarf.

Die Geriatrie gewinnt angesichts der alternden Bevölkerung zunehmend an Bedeutung. Ältere Menschen sind häufig von Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und komplexen psychosozialen Problemlagen betroffen. Eine ausschließlich diagnoseorientierte Behandlung greift nach Einschätzung der Autoren deshalb zu kurz.

Im Mittelpunkt der geriatrischen Versorgung steht die Erhaltung von Selbstständigkeit, Lebensqualität und gesellschaftlicher Teilhabe. Grundlage sind unter anderem das geriatrische Assessment und multiprofessionelle Behandlungskonzepte. Nach Darstellung des Positionspapiers zeigen zahlreiche Studien, dass solche Ansätze funktionelle Fähigkeiten verbessern, Pflegebedürftigkeit reduzieren sowie Krankenhausaufenthalte vermeiden oder verkürzen können.

Für die Krankenhausversorgung gewinnt dieser Ansatz insbesondere vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen älterer und multimorbider Patienten an Bedeutung. Geriatrische Strukturen müssen dabei nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Bestandteil einer sektorenübergreifenden Versorgung.

Versorgung, Finanzierung und Forschung als zentrale Baustellen

Trotz bestehender akutgeriatrischer und rehabilitativer Angebote sehen die Experten erhebliche strukturelle Defizite. Dazu zählen eine nicht flächendeckende Versorgung, fehlende ambulante und präventive Angebote sowie eine aus ihrer Sicht unzureichende Berücksichtigung geriatrischer Prinzipien in anderen medizinischen Fachgebieten.

Auch die Finanzierung steht im Mittelpunkt der Forderungen. Die Autoren plädieren für eine stärker an Komplexität und Funktionalität orientierte Finanzierung geriatrischer Leistungen. Damit soll berücksichtigt werden, dass bei älteren multimorbiden Patienten nicht allein einzelne Diagnosen, sondern der gesamte funktionelle und soziale Versorgungsbedarf entscheidend ist.

Hinzu kommen der Fachkräftemangel sowie Defizite bei Forschung und Weiterbildung. Die akademische Verankerung der Geriatrie soll nach den Vorstellungen der Autoren deshalb weiter ausgebaut werden. Gefordert wird unter anderem ein Deutsches Zentrum für Altersmedizin mit starker Beteiligung der Geriatrie.

Ambulante Geriatrie und Digitalisierung ausbauen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau ambulanter geriatrischer Zentren und sektorenübergreifender Versorgungsmodelle. Dadurch soll geriatrische Expertise früher in den Krankheitsverlauf einbezogen und der Übergang zwischen Krankenhaus, Rehabilitation, Pflege und ambulanter Versorgung verbessert werden.

Digitalisierung und Telemedizin sehen die Autoren zugleich als Möglichkeit, neue Versorgungsmodelle zu etablieren. Gerade bei älteren Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf könnten solche Strukturen dazu beitragen, Versorgung besser zu koordinieren und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Das Positionspapier versteht die Geriatrie damit nicht allein als spezialisiertes medizinisches Fachgebiet, sondern als wichtigen Baustein einer alternden Gesellschaft. Eine stärkere strukturelle und gesundheitspolitische Förderung soll dazu beitragen, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden und die Versorgung stärker an den individuellen Zielen älterer Menschen auszurichten.