Ein Jahr Krankenhausplanung NRW: Kritik an Belastungen für Beschäftigte wächst
ver.di sieht Reformziele gefährdet und fordert Nachsteuerung der Krankenhausplanung
Ein Jahr nach Einführung der neuen Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen zieht die Gewerkschaft ver.di NRW eine kritische Zwischenbilanz. Laut einer aktuellen Stellungnahme vom Frühjahr 2026 zeigen sich in der Praxis deutliche Belastungen für Beschäftigte sowie Risiken für die Versorgungsqualität. Die Reform war am 1. April 2025 in Kraft getreten.
Die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen verfolgt das Ziel, die stationäre Versorgung stärker zu spezialisieren, Leistungen zu bündeln und gleichzeitig eine bedarfsgerechte sowie qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Aus Sicht der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di NRW) zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Während strukturelle Herausforderungen adressiert werden, entstehen in der Umsetzung neue Problemlagen.
Wie Susanne Hille, Fachbereichsleiterin Gesundheit bei ver.di NRW, betont, führe die Reform vielerorts zu einer „Verschiebung von Problemen“. Konkret nennt die Gewerkschaft Leistungsverlagerungen, Abteilungsverkleinerungen sowie Stationsschließungen an einzelnen Klinikstandorten. Diese Eingriffe hätten direkte Auswirkungen auf die Beschäftigtenstruktur und den Arbeitsalltag in den Einrichtungen.
Ein zentrales Problem stellt laut ver.di die personelle Situation dar. Beschäftigte müssten vermehrt Abteilungen oder Standorte wechseln, teilweise sogar den Arbeitgeber. Dies gehe mit längeren Pendelzeiten, veränderten Arbeitsbedingungen sowie Einsätzen in fachfremden Bereichen einher. Zudem drohe durch Trägerwechsel und Ambulantisierung der Verlust von Tarifbindungen und Mitbestimmungsstrukturen. Besonders betroffen seien Teilzeitkräfte sowie Beschäftigte in strukturschwachen Regionen.
Parallel dazu geraten nach Einschätzung der Gewerkschaft die aufnehmenden Strukturen zunehmend unter Druck. Zentralisierte Kliniken und Rettungsdienste müssten zusätzliche Patientinnen und Patienten versorgen, ohne dass Personal und Infrastruktur entsprechend ausgebaut worden seien. Dies könne sowohl die Arbeitsbelastung erhöhen als auch Auswirkungen auf die Versorgungsqualität haben.
Auch aus Patientensicht sieht ver.di Risiken. Insbesondere in ländlichen Regionen werde die wohnortnahe Versorgung durch längere Wege erschwert. Bei zeitkritischen Leistungen könne dies relevante gesundheitliche Folgen haben. Zudem weist die Gewerkschaft auf mögliche soziale Ungleichheiten hin, etwa für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Sorgeverantwortung.
Vor diesem Hintergrund fordert ver.di NRW eine Nachsteuerung der Krankenhausplanung. Im Fokus stehen dabei eine stärkere Einbindung der Beschäftigten, die Absicherung von Arbeitsplätzen und Tarifstrukturen sowie eine konsequente Ausrichtung der Planung am tatsächlichen Versorgungsbedarf.
Die Diskussion um die Auswirkungen der Krankenhausreform verdeutlicht, dass strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen nicht nur medizinische und ökonomische, sondern auch arbeitsmarktpolitische Dimensionen haben. Für das Krankenhausmanagement ergeben sich daraus zusätzliche Herausforderungen in der Personalsteuerung, Organisationsentwicklung und Sicherstellung stabiler Versorgungsstrukturen.






