blank

„Sepsis-3“ und Kodierung der „Sepsis“ gemäß ICD-10-GM 2020

Die bisher verwendeten Sepsis-Definitionen (Sepsis-1) beruhen auf dem SIRS-Konzept, welche von einer Expertenkommission im Jahr 1992 vorgeschlagen wurde [Bone RC et al. Chest 1992; 101(6):1644–1655].

Die SIRS-Kriterien, die eine

  • Hypo- (<36°C) oder Hyperthermie (>38°C),
  • Tachykardie (>90/min),
  • Tachypnoe (>20/min)
  • sowie eine Leukozytose >12.000/µl oder Leukopenie <4.000/µl und/oder Linksverschiebung >10% beinhalten,

wurden jedoch bisher nie systematisch evaluiert. Vielmehr wurden diese Kriterien nach ihrer Einführung in das International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) und auf dem Hintergrund der fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistiken (DRG) vielfach herangezogen, um Krankenhauserlöse zu optimieren. […]

Sepsis-3-Definition
Im Februar 2016 hat die „Sepsis-3 Task Force“, eine internationale Arbeitsgruppe der European Society of Intensive Care Medicine (ESICM) und der Society of Critical Care Medicine (SCCM) die Sepsis auf wissenschaftlicher Basis neu definiert, um diesen Inkonsistenzen zu entgegnen [Singer M et al. JAMA 2016, 315(8):801–810]. Erstmals wurde dabei die Sepsisdiagnose in Krankenhäusern, also auch auf Normalstationen und Notaufnahmen in den Vordergrund gestellt.

Sepsis wird demnach immer durch eine akut lebensbedrohliche, weil dysregulierte Wirtsreaktion (Organdysfunktion) auf eine Infektion verursacht. Der Begriff der „schweren“ Sepsis entfällt, weil es eine „leichte“ Sepsis in diesem Konzept nicht gibt. Die Autoren schlagen vor, stattdessen folgerichtig von einer „Infektion“ zu sprechen. Für die Erfassung der Sepsis-assoziierten Organdysfunktion wird eine Veränderung des Sequential Organ Failure Assessment (SOFA) Score um ≥2 Punkte vorgeschlagen. Dieser etablierte Score, der 6 Organsysteme nach 4 Schweregraden der Organdysfunktion einstuft und 0–24 Punkte umfasst, ist jedoch aufwändig und daher in der klinischen Routine außerhalb der Intensivstation zum bettseitigen Screening ungeeignet.

Anpassung der Schlüsselnummern unter R65.- ! unter Berücksichtigung der aktuellen Definition der Sepsis an die Fassung der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10-WHO)
Die Angleichung an die WHO-Fassung (2) trägt dem Umstand Rechnung, dass die R65.0! und R65.1! für eine Unterscheidung unterschiedlich schwerer Fälle der Sepsis, so die ursprüngliche Idee, nicht mehr zweckdienlich sind. Damit werden die Kodes unter R65.-! von den originären Sepsiscodes (z.B. A40.-, A41.- etc.) entkoppelt. Das Inklusivum „Schwere Sepsis“, welches sich aktuell in der WHO-Fassung findet, wurde in der ICD-10- GM  2020 (3) bewusst weggelassen, da die neuen Kriterien nicht mehr nach „schwer“ bzw. „nicht schwer“ unterscheiden und für jede „Sepsis“ nun eine oder mehrere „Organkomplikation(en)“ gefordert werden. […]

Quelle: Deutsche Sepsis-Gesellschaft

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.