ICD-11: BfArM veröffentlicht deutsche Testversion
Digitale Nutzung über WHO-API möglich – ICD-10 bleibt vorerst amtliche Grundlage in Deutschland
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat eine Testversion der ICD-11 in deutscher Sprache veröffentlicht. Wie die Behörde mitteilt, steht die nicht-amtliche Fassung ab sofort über die Internetseite des BfArM zur Verfügung. Die Version ist nicht für gesetzliche oder amtliche Anwendungszwecke freigegeben, kann jedoch zu Studienzwecken und für Umstiegsanalysen genutzt werden. Für Krankenhäuser und Medizincontrolling-Abteilungen eröffnet dies die Möglichkeit, sich frühzeitig mit der neuen Klassifikation vertraut zu machen.
Nach Angaben des BfArM ist die deutsche ICD-11-Testversion digital über den API-Zugang der Weltgesundheitsorganisation nutzbar. Die Nutzung unterliegt den entsprechenden Lizenz- und Nutzungsbedingungen der WHO. Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass sich die deutsche Fassung weiterhin im Prozess der Qualitätssicherung befindet. Es ist vorgesehen, die Testversion bis auf Weiteres jährlich zu aktualisieren. Auch inhaltliche Anpassungen, die über das formale Vorschlagsverfahren der WHO eingebracht und verabschiedet werden, sollen regelmäßig in die deutsche Fassung einfließen.
Für die Praxis in deutschen Krankenhäusern bleibt die ICD-10 jedoch weiterhin maßgeblich. Bis zu einer offiziellen Einführung der ICD-11 im jeweiligen Anwendungsbereich gilt die ICD-10 als amtliche Klassifikation. Für die Mortalitätskodierung ist dies die ICD-10-WHO, für die Morbiditätskodierung die ICD-10-GM. Damit ergeben sich für das operative Kodiergeschäft zunächst keine unmittelbaren Änderungen.
Die ICD-11 wurde im Mai 2019 von der 72. Weltgesundheitsversammlung verabschiedet und ist seit dem 1. Januar 2022 in Kraft. Seitdem können Mitgliedsstaaten der WHO Mortalitätsdaten nach ICD-11 kodiert berichten. Über den konkreten Zeitpunkt eines nationalen Umstiegs entscheiden die jeweiligen Staaten selbst.
Für das Krankenhausmanagement und das Medizincontrolling bedeutet dies, dass Vorbereitungen auf strukturelle, prozessuale und IT-seitige Anpassungen langfristig notwendig werden. Die ICD-11 bringt unter anderem eine digital ausgerichtete Struktur, neue Kodierlogiken sowie erweiterte Kombinationsmöglichkeiten mit sich. Mit der nun verfügbaren deutschen Testversion können Krankenhäuser erste Analysen zur Auswirkung auf DRG-Systematik, Dokumentationsanforderungen und Erlösstrukturen durchführen, ohne dass bereits eine verpflichtende Anwendung besteht.






