DKI-Auswertung widerlegt Krankenhaus als GKV-Kostentreiber
DKG sieht strukturelle Einnahmeprobleme als Hauptursache der Finanzlage
Eine Sonderauswertung des Deutschen Krankenhausinstituts zur Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeigt nach Einschätzung der Deutsche Krankenhausgesellschaft, dass Krankenhäuser nicht die Haupttreiber der Ausgabenentwicklung sind. Die Analyse wurde am 3. Juli 2026 veröffentlicht und stellt insbesondere die Bedeutung der Einnahmeseite für die Finanzprobleme der GKV heraus. Die DKG fordert vor diesem Hintergrund eine stärkere politische Fokussierung auf strukturelle Finanzierungsreformen.
Nach Angaben des DKI sind die Krankenhausausgaben der GKV seit dem Jahr 2000 real um rund 54 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die gesamten GKV-Leistungsausgaben um etwa 63 Prozent. Der Anteil der Krankenhauskosten an den Gesamtausgaben sank damit von 35 auf 33 Prozent.
Auch für die jüngere Entwicklung zwischen 2020 und 2025 zeigt die Analyse ein moderates Wachstum. Zwar stiegen die Krankenhausausgaben nominal um 36,6 Prozent, dieser Anstieg ist jedoch laut DKI wesentlich durch die Einführung des Pflegebudgets beeinflusst. Ohne diesen Effekt läge das Wachstum bei rund 29 Prozent und damit unter dem Gesamtanstieg der GKV-Leistungsausgaben von 35 Prozent. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betont in diesem Zusammenhang, dass hauptsächlich das Pflegebudget politisch gewollt sei und keine strukturelle Kostenexplosion der Krankenhausversorgung darstelle.
Im Zentrum der DKI-Auswertung steht die Entwicklung der Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die beitragspflichtigen Einnahmen pro Mitglied seien seit 2000 real nur um rund fünf Prozent gestiegen, während das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im selben Zeitraum um etwa 25 Prozent gewachsen sei. Seit 2019 stagniere die Finanzierungsbasis der GKV weitgehend, während gleichzeitig die Leistungsausgaben weiter steigen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft leitet daraus ab, dass die strukturellen Finanzierungsprobleme vor allem auf unzureichendes Einnahmenwachstum zurückzuführen seien.
Ein weiteres Argument betrifft versicherungsfremde Leistungen. Nach einer im Umfeld der Analyse zitierten IGES-Bewertung würden erhebliche Kosten durch die GKV getragen, die eigentlich aus Steuermitteln finanziert werden müssten. Der Bundeszuschuss sei jedoch seit Jahren weitgehend unverändert.
Politische Bewertung und Forderungen der DKG
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt davor, die Finanzprobleme der GKV durch Kürzungen im Krankenhausbereich lösen zu wollen. Dies würde nicht die Ursachen adressieren, sondern die Versorgungssicherheit gefährden.
Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß betont, dass insbesondere die Einnahmeseite sowie die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen entscheidend seien. Die DKG fordert daher eine nachhaltige Stärkung der Einnahmenbasis der GKV sowie eine vollständige steuerfinanzierte Abgeltung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben.
Die Sonderauswertung des Deutschen Krankenhausinstituts liefert damit eine Datengrundlage, die die Debatte um die Finanzierungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung erneut in Richtung Einnahmenseite verschiebt und die Rolle der Krankenhäuser als Kostentreiber relativiert.




