DKG fordert 31 Milliarden Euro für klimafeste Krankenhäuser
Fast 10.000 Hitzetote 2026: Kliniken brauchen mehr Kühltechnik
Fast 9.800 hitzebedingte Sterbefälle wurden nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bis zur Kalenderwoche 29 des Jahres 2026 geschätzt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert angesichts der zunehmenden Hitzebelastung schnelle Investitionen in die Kühlung von Krankenhäusern und verweist auf ein vorgeschlagenes mehrjähriges Investitionsprogramm von 31 Milliarden Euro.
Die aktuellen RKI-Daten verdeutlichen die wachsende Bedeutung des Hitzeschutzes für das deutsche Gesundheitswesen. Bis zur Kalenderwoche 29 wurden für das Jahr 2026 bundesweit rund 9.800 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt. Das 95-Prozent-Prädiktionsintervall liegt zwischen 8.700 und 10.900 Todesfällen. Besonders stark betroffen sind ältere Menschen: Auf die Altersgruppe der über 85-Jährigen entfallen nach der Schätzung rund 5.420 hitzebedingte Sterbefälle.
Die DKG sieht darin einen dringenden Handlungsauftrag für die Krankenhausplanung und Investitionsfinanzierung. Nach Einschätzung des Verbandes verfügt derzeit nur ein kleiner Teil der Patientenzimmer in deutschen Krankenhäusern über eine aktive Kühlung. Gerade vulnerable Patientinnen und Patienten seien durch hohe Temperaturen besonders gefährdet. Gleichzeitig belasteten anhaltende Hitzeperioden auch die Beschäftigten und die technische Infrastruktur der Kliniken.
DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß fordert deshalb eine konkrete finanzielle Unterstützung für die Nachrüstung von Krankenhäusern mit Kühltechnik. Nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts scheitere die Ausstattung mit Klimaanlagen in vielen Häusern vor allem an fehlenden finanziellen Mitteln. Die DKG verweist in diesem Zusammenhang auf die aus ihrer Sicht unzureichende Investitionsfinanzierung durch die Länder.
Klimaanpassung wird zur Investitionsaufgabe
Aus Sicht der DKG reichen kurzfristige Maßnahmen wie Fensterverschattung oder mobile Ventilatoren bei länger andauernden Hitzeperioden zunehmend nicht mehr aus. Wenn sich Gebäude auch nachts nicht ausreichend abkühlen, werde aktive Kühlung erforderlich. Der Verband verweist dabei auf Dänemark, wo Krankenhäuser grundsätzlich mit Kühltechnik wie Klimaanlagen oder reversiblen Wärmepumpen ausgestattet beziehungsweise schrittweise nachgerüstet würden.
Für das Klinikmanagement gewinnt damit die Frage an Bedeutung, wie Klimaanpassung in bestehende Investitions- und Sanierungsstrategien integriert werden kann. Neben der technischen Nachrüstung geht es um die langfristige Modernisierung von Krankenhausgebäuden, die Auswahl geeigneter Kühlsysteme und die Sicherstellung eines stabilen Betriebs auch während extremer Wetterlagen.
Die DKG fordert hierfür ein mehrjähriges Investitionsprogramm in Höhe von 31 Milliarden Euro. Die Mittel sollen nach Vorstellung des Verbandes unter anderem aus dem Sondervermögen für den Klimaschutz bereitgestellt werden. Ziel ist es, Krankenhäuser in die Lage zu versetzen, ihre Gebäude langfristig an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
RKI-Daten zeigen hohe Belastung durch Hitze
Das RKI weist zugleich darauf hin, dass hitzebedingte Todesfälle statistisch geschätzt werden müssen. Hitze wird bei vielen Todesfällen nicht als unmittelbare Todesursache auf dem Totenschein angegeben. Häufig führt die Kombination aus hohen Temperaturen und bestehenden Vorerkrankungen zum Tod.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Hitzeperioden bereits heute erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung haben. In der Kalenderwoche 29 lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur bei 20,9 Grad Celsius. Damit wurde die Schwelle überschritten, ab der ein signifikanter Anstieg der Gesamtmortalität durch Hitze erwartet wird. Nach RKI-Angaben wird die Übersterblichkeit für den betrachteten Zeitraum derzeit sogar auf rund 16.000 Fälle geschätzt.
Für Krankenhäuser bedeutet die Entwicklung, dass Hitzeschutz zunehmend als Bestandteil der strukturellen Daseinsvorsorge betrachtet werden muss. Aus Sicht der DKG geht es daher nicht mehr allein um saisonale Notfallpläne, sondern um eine dauerhaft angelegte Anpassung der Krankenhausinfrastruktur an den Klimawandel.




