DIVI fordert Änderungen am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Fachgesellschaft warnt vor Risiken für Notfall- und Intensivversorgung durch finanzielle Belastungen der Krankenhäuser
Wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) berichtet, fordert die Fachgesellschaft vom Deutschen Bundestag Nachbesserungen am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Vor der Abstimmung über das Gesetz warnt die DIVI davor, dass zusätzliche wirtschaftliche Belastungen für Krankenhäuser die Stabilität der Notfall- und Intensivversorgung gefährden könnten. Besonders im Fokus stehen Kliniken der Notfallstufen 2 und 3 sowie die Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
Die DIVI unterstützt grundsätzlich das Ziel, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig fordert die Fachgesellschaft, die Auswirkungen auf jene Krankenhäuser stärker zu berücksichtigen, die einen wesentlichen Anteil der Notfall- und Intensivversorgung in Deutschland übernehmen.
DIVI-Präsident Prof. Florian Hoffmann appelliert an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, die wirtschaftliche Stabilität versorgungsrelevanter Krankenhäuser nicht zusätzlich zu gefährden. „Eine verlässliche Notfallversorgung gibt es nicht zum Nulltarif. Aber sie kostet auch keine neuen Milliarden. Sie verlangt kluge Prioritäten bei der Verwendung der vorhandenen Mittel“, erklärt Hoffmann.
Die Forderung erhält vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Krankenhäuser zusätzliche Bedeutung. Nach Berechnungen des Krankenhaus Rating Reports könnte bis 2030 jedes zweite Krankenhaus wirtschaftlich in eine existenzielle Schieflage geraten. Nach Einschätzung der DIVI betrifft dies insbesondere Einrichtungen, die zentrale Aufgaben in der Notfallmedizin und Intensivversorgung übernehmen.
Strategische Finanzierung statt pauschaler Einsparungen
Die DIVI spricht sich nicht für den uneingeschränkten Erhalt aller Krankenhausstandorte aus. Stattdessen fordert die Fachgesellschaft eine gezielte Steuerung der vorhandenen Finanzmittel. Besonders Krankenhäuser der Notfallstufen 2 und 3 sollen aus Sicht der DIVI wirtschaftlich abgesichert werden, da sie wesentliche Aufgaben der Akutversorgung übernehmen.
Prof. Christian Karagiannidis, Mitglied des DIVI-Vorstands und Leiter des ARDS- und ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim, warnt vor falschen Prioritäten: „Die Krankenhäuser der Notfallstufen 2 und 3 sind die tragenden Säulen unseres Versorgungssystems.“
Nach Ansicht der DIVI zeigen Versorgungskarten der Fachgesellschaft, dass eine leistungsfähige Notfallversorgung auch mit einer stärker konzentrierten Krankenhausstruktur möglich sei. Entscheidend sei, die richtigen Standorte gezielt zu stärken und Versorgungslücken frühzeitig zu vermeiden.
Für das Klinikmanagement bedeutet die Debatte eine weitere Verschärfung des Zielkonflikts zwischen wirtschaftlicher Stabilität und Sicherstellung der Daseinsvorsorge. Krankenhäuser müssen ihre Strukturen anpassen, gleichzeitig aber ausreichende Kapazitäten für Krisensituationen vorhalten.
Hitzewelle verdeutlicht Belastbarkeit der Systeme
Die zurückliegende Hitzewelle sowie andere außergewöhnliche Ereignisse zeigen nach Einschätzung der DIVI, wie schnell Krankenhäuser an Belastungsgrenzen geraten können. Gerade in Notfall- und Intensivbereichen seien stabile Strukturen entscheidend.
„Es geht nicht um mehr Geld. Es geht darum, mit den vorhandenen Mitteln die richtigen Prioritäten zu setzen“, sagt Prof. Uwe Janssens, medizinischer Geschäftsführer der DIVI. Jeder Euro, der tragende Strukturen der Notfall- und Intensivversorgung stärke, schütze letztlich das gesamte Gesundheitssystem.
Besondere Sorge äußert die DIVI hinsichtlich der Kinder- und Jugendmedizin. Nach Angaben der Fachgesellschaft ist dieser Bereich seit Jahren strukturell unterfinanziert. DIVI-Präsident Hoffmann warnt davor, dass finanzielle Belastungen zu einem Abbau ärztlicher Stellen oder einer Gefährdung einzelner Kinderkliniken führen könnten.
Die DIVI fordert deshalb eine gesundheitspolitische Ausrichtung, die vorhandene Mittel stärker nach Versorgungsrelevanz verteilt. Ziel müsse ein Gesundheitssystem sein, das sowohl im Alltag als auch in Krisensituationen zuverlässig funktioniert.




