Bürokratieabbau in Krankenhäusern: Bayerische Krankenhausgesellschaft fordert schnelles Handeln
BKG-Kampagne warnt vor wachsender Dokumentationslast und fordert ein Bürokratie-Abbau-Gesetz für mehr Zeit am Patienten
Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) fordert im Rahmen ihrer aktuellen Kampagne „entlastet arbeiten – besser versorgt werden“ ein rasches Bürokratie-Abbau-Gesetz für Krankenhäuser. Nach Angaben der BKG binde die zunehmende Dokumentations- und Kontrolllast erhebliche personelle Ressourcen, die für die unmittelbare Patientenversorgung fehlen. Grundlage der Forderungen sind unter anderem Berechnungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sowie Erfahrungsberichte aus bayerischen Kliniken. Quelle: BKG, Mai 2026.
Die Bayerische Krankenhausgesellschaft hat ihre Forderung nach einem umfassenden Bürokratieabbau im Gesundheitswesen bekräftigt. Anlass ist die aktuelle Diskussion um das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das nach Einschätzung der Krankenhausseite vor allem auf Ausgabenbegrenzungen, Vergütungskürzungen und zusätzliche Sparmaßnahmen setzt. Aus Sicht der BKG bleibe jedoch ein zentraler Hebel zur Effizienzsteigerung bislang weitgehend unberücksichtigt: die Reduzierung bürokratischer Belastungen im Krankenhausalltag.
Mit der Kampagne „entlastet arbeiten – besser versorgt werden“ möchte die BKG auf die Auswirkungen umfangreicher Dokumentations-, Nachweis- und Kontrollpflichten aufmerksam machen. Ziel sei es, die Bundespolitik zu konkreten Maßnahmen für eine Entlastung der Beschäftigten in Krankenhäusern zu bewegen.
Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft verursacht Bürokratie für medizinisches Fachpersonal und Pflegekräfte einen durchschnittlichen Mehraufwand von rund drei Stunden pro Arbeitstag. Bereits eine Reduzierung um eine Stunde täglich könnte rechnerisch bundesweit mehr als 123.000 Vollkräfte freisetzen. Darunter befänden sich laut DKG rund 22.100 ärztliche sowie 48.900 pflegerische Vollkräfte, die stärker in der direkten Patientenversorgung eingesetzt werden könnten.
Die BKG verweist darauf, dass die Problematik seit Jahren bekannt sei. Bereits 2025 hatte die Deutsche Krankenhausgesellschaft ein umfangreiches Positionspapier mit Vorschlägen zur Entbürokratisierung vorgelegt. Zudem seien sowohl unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach als auch im aktuellen Koalitionsvertrag Bürokratieentlastungen angekündigt worden. Nach Einschätzung der Krankenhausvertreter seien jedoch bislang keine spürbaren Verbesserungen im Klinikalltag angekommen.
Im Rahmen der Kampagne kommen Beschäftigte verschiedener bayerischer Krankenhäuser zu Wort. So schildert beispielsweise Universitätsprofessor Dr. Alexander Dechêne vom Klinikum Nürnberg die zunehmende Komplexität bei der Abrechnung ambulanter Leistungen. Bereits zuvor hatte die BKG mit einem Erfahrungsbericht einer Pflegefachkraft aus dem Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt auf die Belastungen durch umfangreiche Dokumentationspflichten aufmerksam gemacht.
Für Krankenhäuser gewinnt das Thema auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels an Bedeutung. Die BKG argumentiert, dass weniger Bürokratie nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch Wartezeiten verkürzen und mehr Zeit für medizinische und pflegerische Zuwendung schaffen könnte. Gleichzeitig fordert die Krankenhausseite eine stärkere Orientierung an Vertrauenskultur, Eigenverantwortung und praxistauglichen Zielvorgaben anstelle zusätzlicher Kontroll- und Nachweispflichten.




