Borchers & Kollegen legt Modell für neue Klinikführung vor

Whitepaper setzt auf CEO/COO-Trennung und interprofessionelle Führung

Borchers & Kollegen Managementberatung hat ein neues Whitepaper zur Führungsorganisation im Krankenhaus veröffentlicht. Die Autoren Alex Hoppe, Chantal Kreische und Thomas Röhrßen (rœhrssen consult) stellen darin historisch gewachsene Führungsmodelle infrage und entwickeln ein prozessorientiertes Zielbild, das Strategie und operativen Klinikbetrieb stärker voneinander trennt.

Ausgangspunkt ist die zunehmende strukturelle Veränderung der Krankenhausversorgung. Leistungsgruppen, Ambulantisierung, Spezialisierung und neue Versorgungsmodelle verändern nach Auffassung der Autoren nicht nur Leistungsportfolios, sondern auch die Anforderungen an Entscheidungs- und Führungsstrukturen. Die Krankenhausreform sieht unter anderem eine leistungsgruppenbezogene Steuerung mit Qualitätsanforderungen vor; die konkrete Krankenhausplanung bleibt Aufgabe der Länder.

Strategie und operativen Klinikbetrieb klarer trennen

Als Schwachstelle vieler Häuser beschreibt das Whitepaper eine weiterhin stark nach Medizin, Pflege und Verwaltung getrennte Säulenorganisation. Diese könne zu hoher Abstimmungslast, unklaren Verantwortlichkeiten und langsamen Entscheidungen führen. Besonders kritisch bewerten die Autoren fehlende bereichsübergreifende Entscheidungskompetenzen zwischen Geschäftsführung und klinischem Tagesgeschäft.

Als Gegenmodell schlagen sie eine funktionale Trennung zwischen strategischer Unternehmensführung (CEO) und einer hauptamtlichen operativen Betriebsführung (COO) vor. Der COO soll innerhalb definierter Ziel- und Budgetvorgaben Verantwortung für Leistung, Qualität und Wirtschaftlichkeit übernehmen. Medizinische und pflegerische Führung soll zugleich stärker gemeinsam in Zentren, Kliniken und anderen Versorgungseinheiten verankert werden.

Auch klassische Fachabteilungsgrenzen sollen nach dem Konzept teilweise durch Zentren und prozessorientierte Strukturen ergänzt werden. Hinzu kommen definierte Prozessverantwortliche und eine stärkere Verknüpfung der operativen Steuerung mit Kennzahlen und Controlling.

LEAD-Modell bewertet Führungsorganisation anhand von 22 Kriterien

Für die Analyse bestehender Strukturen beschreibt das Whitepaper das LEAD-Evaluationsmodell. Es umfasst 22 Prüfkriterien in fünf Dimensionen: Unternehmensführung und Governance, Entscheidungs- und Managementprozesse, Steuerung und Services, Human Resources und Transformation sowie laterale Führung und Vernetzung. Betrachtet werden dabei unter anderem Kompetenzordnungen, Entscheidungswege, Controllingstrukturen und interprofessionelle Führungsformen.

Eine besondere Rolle erhält das Controlling: Das Modell unterscheidet zwischen zentralem Unternehmenscontrolling für standardisierte Kennzahlen und einem operativen Betriebs- und Bereichscontrolling, das näher an den klinischen Einheiten als Beratungs- und Steuerungspartner arbeiten soll.

Das Whitepaper versteht damit die Führungsorganisation selbst als wesentlichen Ansatzpunkt für die Umsetzung von Klinikstrategien – und nicht allein die Qualifikation oder das Verhalten einzelner Führungskräfte.