Ambulantes Operieren: BAO warnt vor Rehospitalisierung und Praxissterben

Breiter Protest gegen Referentenentwurf: „Unökonomische“ Hybrid-DRG-Bewertung gefährdet 6 Millionen Eingriffe jährlich

Der Bundesverband für Ambulantes Operieren (BAO) schlägt gemeinsam mit 3.000 assoziierten Fachärzten Alarm. In einer Stellungnahme protestiert der Verband gegen den aktuellen Referentenentwurf zur Struktur und Finanzierung ambulanter Eingriffe. Die Operateure warnen vor einer „ökonomischen Entwertung“ ihrer Strukturen: Statt der politisch gewollten Ambulantisierung drohe durch eine systematische Unterfinanzierung und Wettbewerbsverzerrung die Rückverlagerung von Millionen Operationen in die Krankenhäuser.

Die Kritik des BAO trifft den Kern der aktuellen Gesundheitsreform: Die Bewertung der Hybrid-DRG. Während der Referentenentwurf diese pauschalen Vergütungen als „tendenziell übervergütend“ für bislang ambulante Leistungen einstuft, bezeichnen die Praktiker diese Sichtweise als fachlich fehlerhaft. Der Verband betont, dass die massiven Steigerungen bei Personal- und Energiekosten sowie die hohen Bereitstellungs- und Sachkosten in der Kalkulation schlichtweg ignoriert würden. Die Folge: Schon jetzt steigt die Zahl der Insolvenzen und Schließungen von ambulanten OP-Zentren in ganz Deutschland kontinuierlich an – ein Trend, der auch vor Großstädten nicht haltgemacht hat.

Besonders kritisch bewertet der Verband das geplante Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Während extrabudgetäre Vergütungsbestandteile systematisch zurückgeführt und in budgetierte Gesamtvergütungen gepresst werden sollen, plant das Ministerium gleichzeitig die Einführung von „Kurzlieger-DRG“ für Krankenhäuser. Nach Ansicht des BAO entsteht dadurch eine unsinnige Wettbewerbsverzerrung: Kliniken erhalten Anreize für kurze stationäre Aufenthalte, während niedergelassene Operateure und Anästhesisten finanziell ausgetrocknet werden.

Rund 6 Millionen Eingriffe werden derzeit pro Jahr durch ambulante Fachärzte und spezialisierte Anästhesisten erbracht. Sollte die Reform in der vorliegenden Form umgesetzt werden, befürchtet der BAO eine „Rehospitalisierung“ – also die Rückkehr zu teureren stationären Behandlungen, da ambulante Strukturen wirtschaftlich nicht mehr überlebensfähig wären. Dies gefährde die Versorgungssicherheit in allen Fachgebieten nachhaltig und treffe besonders schutzbedürftige Gruppen wie Kinder und Senioren.

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